„Hömma, Pedder…“

Schauspieler Peter Lohmeyer lebt so oft es geht seine besondere Verbundenheit zu seinem Lieblingsverein aus. Auch bei seinem Besuch des Deutschen Fußballmuseums – obwohl das in Dortmund liegt. Aber schließlich wurde da ein Film über Rudi Assauer gezeigt.

Die knapp bemessene Zeit nahm sich Peter Lohmeyer gerne. Der erfolgreiche Schauspieler und seit Kindesbeinen eingefleischter Schalke-Fan war an einem Freitag Anfang Oktober eigentlich nur auf Parkplatzsuche rund um den Dortmunder Hauptbahnhof . Mit der Bahn sollte es ins Wochenende nach Hamburg gehen, dorthin, wo er wohnt. Am Telefon erhielt er nicht nur einen Tipp, wo er seinen Leihwagen günstig abstellen konnte, sondern auch die Information, dass quasi nebenan, im Deutschen Fußballmuseum, im Rahmen des 1. Fußball-Film-Festivals im Revier die Vorführung des Films „Rudi Assauer – Mensch. Macher. Legende.“ anstand. Eine beeindruckende Dokumentation von Regisseur Don Schubert, die im Mai vor über 25.000 Zuschauern „auf Schalke“ Premiere hatte.

Lohmeyer und der schwer an Alzheimer erkrankte ehemalige Schalke-Manager sind alte Bekannte. Oft sind sie sich bei Heimspielen in der Arena begegnet. Und so nutzte Lohmeyer nun die kurze Wartezeit bis zur Abfahrt seines Zuges, um das Publikum im Deutschen Fußballmuseum vor dem Filmstart mit einigen Anekdoten von gemeinsamen Erlebnissen mit Rudi Assauer zu unterhalten.

Peter Lohmeyer zu Besuch im #DFMDo.

Aus Zeiten, als sich dessen heimtückische Krankheit noch nicht Bahn gebrochen hatte. Man merkte es Lohmeyer an, dass ihm dieser spontane Auftritt eine Herzensangelegenheit war. In diesem Moment zeigte sich der Vollblut-Schauspieler wieder als sensibler Vollblut-Fan.

Lohmeyer ist er schon ewig Schalke-Mitglied und egal, wo er auftritt, offenbart er gerne, für welchen Verein sein Herz schlägt. Immer wenn es die Zeit zwischen Dreharbeiten, Promotion-Touren und Theaterspielen erlaubt, macht sich Lohmeyer von Hamburg auf den Weg nach Gelsenkirchen, um die Heimspiele der „Knappen“ live in der Arena zu verfolgen. Solche Tage werden zelebriert.„Die rechtzeitige Anreise ist wichtig, schließlich möchte ich vor dem Anpfiff in Ruhe die Mannschaftsaufstellung studieren und lauthals das Steiger-Lied mitsingen“, erzählt der 56-jährige. „Von Hamburg aus fahre ich gerne mit dem Zug. Das gibt mir Gelegenheit, mit meinesgleichen ins Gespräch zu kommen.“

Alte Heimat

Häufig ist es natürlich Lohmeyer, der von „blau-weißen“ Mitreisenden erkannt und auf die aktuelle Lage des Vereins angesprochen wird. „Hömma, Pedder, was sachst Du denn dazu?“, bekommt er dann zu hören. „Manchmal habe ich aber auch gerne meine Ruhe“.
Den Ausflug verbindet er regelmäßig mit Besuchen bei Familie und Bekannten. Das Ruhrgebiet ist Lohmeyers alte Heimat, hier, an der westfälischen Schauspielschule in Bochum, hat er seinen Beruf erlernt. Seine Mutter lebt in der Region und auch einer seiner besten Freunde, der Bochumer Künstler Marcus Kiel. „Marcus ist zumeist meine Anlaufstation, da er mich häufig auch ins Stadion begleitet. Von seiner Wohnung aus kennen wir tolle Schleichwege. Ich hasse Staus und vor allem beim Derby will ich vorher möglichst wenig schwarz-gelbe Schals sehen.“ Das sagt er mehr mit Schalk im Nacken als mit Schalke im Herzen. „Ich mag grundsätzlich die Rivalität der beiden Vereine. Doch alles, was in Richtung Hass ausartet, ist nicht meine Welt.“

Sein Kumpel Kiel ist dem VfL Bochum zugeneigt. „Es ist ganz gut, dass ein neutraler Zuschauer mich begleitet. Das erleichtert die Fokussierung auf das Wesentliche. Denn bei aller Sympathie für einen Schalker Sieg möchte ich in erster Linie bei meinem Stadionbesuch Spaß haben, guten Fußball und Tore sehen.“ 3:2 lautet Lohmeyers Lieblingsergebnis – auch als Reminiszens an seine Hauptrolle in Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“, in dem das berühmteste 3:2 der deutschen Fußballgeschichte ein filmisches Denkmal erhalten hat. Einen Fußballer aus der legendären Weltmeister-Elf von 1954 hat er damals nicht gespielt. Gleichwohl gönnte ihm der Regisseur eine Szene, in der er auf einer Hinterhofwiese zu einem spektakulären Fallrückzieher ansetzt. „Da war nichts gefaked, nichts gedoubled“, insistiert der Vollblut-Schauspieler.
Sicher wird er sich Tipps geholt haben. Denn es gehört auch zu seinen Spieltags-Ritualen, in der Halbzeitpause mit Schalke-Idol und Mr. Fallrückzieher Klaus Fischer zu fachsimpeln. „Klaus ist ein herausragender Experte. Er ist ja kein Lautsprecher und wird deshalb vielleicht etwas unterschätzt. Aber dass zum Beispiel Leroy Sané den Durchbruch schaffen würde, hat Klaus schon prophezeit, lange bevor der Junge damals gegen Real Madrid ein Tor erzielt hat.“

Kommentare von Kollegen

Lohmeyer genießt spürbar die Stunden, die er sich Schalke 04 und dem Fußball widmen kann. Und wenn es am Ende auch mal 2:3 ausgeht, so ist das zu verschmerzen, „solange die Mannschaft alles aus sich herausgeholt hat. Das ist wie im Theater. Wenn da einer auf der Bühne steht, der seinen Part nur runterspult, dann wird der Funke zum Publikum nichtüberspringen.“

Das Schwierige nach Niederlagen sind für Lohmeyer eher die hämischen Kommentare, die ihn gelegentlich von seinen Schauspieler-Kollegen und BVB-Sympathisanten Dietmar Bär und Joachim Król per SMS übermittelt werden. Doch nach einem Samstagsspiel ist am Sonntagmittag alles verarbeitet, spätestens um 13 Uhr, wenn Anstoß ist. Im Hamburger Jenischpark, beim Kick mit den Kumpels. Und dann ist er nicht mehr zu halten: der Vollblut-Stürmer Peter Lohmeyer, der im Deutschen Fußballmuseum nicht mit Kurzauftritten beeindruckt, sondern schon seit der Eröffnung des Hauses seinen dauerhaften Platz gefunden hat.

Denn sobald die Museumsgäste die Zutrittsdrehkreuze passiert haben, erwarten sie an beiden Seiten der Rolltreppe, die in die Ausstellung führt, zwei überdimensionale Wimmelbilder, je 2,80 Meter hoch, eines 30 Meter lang und das andere rund 25 Meter. Die Bilder sind eine Reise durch Fußball-Deutschland und zeigen Fans aller Couleur. Und wer genau hinschaut, entdeckt immer wieder Prominente in den Trikots ihrer Lieblingsvereine. Peter Lohmeyer trägt blau-weiß. Natürlich. Man wünschte, Rudi Assauer könnte ihm hier begegnen.

Text: Knut Hartwig

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