Herausputzen für die Sonderausstellung

„Schichtwechsel“ heißt es schon bald im Deutschen Fußballmuseum. Nämlich ab dem 21. März, wenn unsere nächste Sonderausstellung eröffnet. Mit ihr würdigen wir den endgültigen Ausstieg aus dem Steinkohlebergbau. Denn Ende 2018 schließt die letzte Zeche im Ruhrgebiet – dann ist Schluss mit der Kohleförderung in einer Region, in der Fußball und Bergbau über Jahrzehnte stark miteinander verbunden waren.

„FußballLebenRuhrgebiet“: Der Untertitel der Sonderschau ist Programm. Ein untrennbarer Dreiklang! Mit Hilfe der Zechen-Bosse schafften es Vereine aus dem Ruhrgebiet in den 50er- und 60er-Jahren an die Spitze des deutschen Fußballs, darunter auch zeitweilig kleinere Stadtteilvereine. Dabei bezuschussten Zechen den Stadionbau, betrieben eigene Werksvereine, unterstützten anliegende Klubs oder vermittelten Jobs für Spieler, die zu dieser Zeit noch keinen Profistatus haben durften. Der Mythos „Malocher-Fußball“ war geboren. Man kann also konstatieren: Den Alltag, das Lebensgefühl im Revier prägte über Jahrzehnte die enge Verzahnung von Kohle und Fußball.

Für unsere Ausstellung heißt das: Grab‘ dich noch einmal durch die Geschichte. Begib‘ dich auf die Spur der Helden von einst. Begegne „Boss“ Rahn, „Ente“ Lippens, „Ennatz“ Dietz… und vielen und vielem mehr!

„Kurze Fuffzehn“

Dabei wird dir auch die „Kurze Fuffzehn“ ins Auge fallen. Die Statue ist eines der Exponate aus der Dauerausstellung, die im Rahmen von „Schichtwechsel“ besonders im Fokus stehen. Dazu musste sie – wie auch einige andere Objekte mehr – noch mal extra fotografiert werden. Der Set-Aufbau erinnerte ein bisschen an „Germanys next Topmodel“. Und wie die Models können wir sagen: So ein Fotoshooting ist harte Arbeit. Die schwere Statue mit einem geschätzten Wohlfühlgewicht von über 100 Kilogramm kann nicht mal eben im Vorbeigehen aus der Vitrine gehoben werden. Dazu braucht es die Um- und Übersicht mehrerer Mitarbeiter und eine Art Kran, der das gute Stück vorsichtig durch die enge Öffnung manövriert. Dann will der Koloss richtig positioniert und ausgeleuchtet werden, damit es keine unschönen Schatten gibt. Wenigstens musste der gute Mann nicht in die Maske oder zwischendurch abgepudert werden. Sonst hätte er vielleicht noch grimmiger geschaut… Apropos: Der Gesichtsausdruck ist im wahrsten Sinne des Wortes wie in Stein gemeißelt.

Was aber hat es denn nun mit der „Kurzen Fuffzehn“ auf sich? So kommen wir wieder zum Bergbau und dem Thema unserer Sonderausstellung. Die Arbeit unter Tage hat die ganze Region, die Stadt Essen und auch den Verein Rot-Weiss Essen über Jahrzehnte geprägt. Dabei wurden die kleinen 15-minütigen Ruhepausen im Sprachgebrauch der Bergleute als „Kurze Fuffzehn“ bezeichnet. Die offizielle Mittagspause in den Zechen und Stahlwerken hingegen durfte etwas länger als eine Viertelstunde ausfallen. So die eine Version zur Namensherkunft der Statue. Eine andere besagt, dass mit dem Begriff der finale Feierabend nach Schichtende gemeint war. Wie auch immer: Die Körperhaltung des Bergmanns spricht in jedem Fall für eine Ausruhzeit. Müde stützt er sich auf seine Hacke, die rechte Hand stemmt er in die Hüfte.

Rot-Weiss Essen hat sein Stadionmagazin „Kurze Fuffzehn“ genannt und hält so die Erinnerung an die Bergbaugeschichte wach. Die Bergmannstatue, die über Jahrzehnte das Antlitz des Georg-Melches-Stadions prägte, steht seit der Eröffnung im Oktober 2015 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund. Der Verein hat das im Jahre 1951 von Künstler Fritz Petch angefertigte Original dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Auch interessant: „Kurze Fuffzehn“ ist kein reiner Ruhrgebietsbegriff, sondern im Bergarbeiter-Milieu in ganz Deutschland bekannt. Und damit eine Hommage an die Gesellschafts- und Arbeiterschicht, aus der sich im Revier in den 50er-Jahren sowohl die meisten Zuschauer als auch viele Spieler der großen Mannschaften rekrutierten.

Übrigens: In der großen Sonderschau beschäftigst du dich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern schaust auch in die Zukunft. Du entwirfst Visionen und gehst den Fragen nach: Kohlebergbau, Strukturwandel – und nun? Was kommt jetzt? Wie geht es weiter? Außerdem kannst du auf dem Museumsvorplatz auf dem „Bolzplatz von morgen“ kicken.

Neugierig geworden? Auf unseren Online-Kanälen halten wir dich auf dem Laufenden. Nicht vergessen: Am 21. März geht „Schichtwechsel“ los!

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