Annike absolviert ein Trainee-Programm in der Eventabteilung des Deutschen Fußballmuseums

#sportsMW – Annike Krahn und die Stationen einer großen Karriere

Mit Annike Krahn hat nach dieser Saison eine der erfolgreichsten Fußballerinnen überhaupt ihre grandiose Karriere beendet. Sie ist Europa- und Weltmeisterin sowie seit dem vergangenen Sommer auch Olympiasiegerin.

Viele Gründe also, Annikes prägende Karrierestationen während der #MuseumWeek 2017 in der Rubrik #sportsMW näher vorzustellen. Es ist gleichzeitig eine beeindruckende Reise durch die Geschichte des Frauenfußballs der vergangenen Jahre.

Bochum: In meiner Heimatstadt habe ich als Vierjährige bei den Mini-Kickern des SV Weitmar 09 mit dem Fußballspielen begonnen. Meine weiteren Bochumer Stationen hießen Waldesrand Linden, TuS Harpen und Wattenscheid 09. An die Anfänge erinnere ich mich nicht mehr so genau, außer dass mir Fußball viel Spaß gemacht hat und ich schnell zu den Guten gehörte.

Duisburg: Nach dem Abitur bin ich 2004 zum FCR Duisburg gewechselt. Und von der Schule zur Uni, allerdings zur Ruhr-Uni in Bochum, weshalb ich dort wohnen geblieben bin. Fußballerisch war das schon ein großer Schritt. Der FCR zählte zu den etablierten Vereinen in der Bundesliga und ich kam aus der Regionalliga. Ich habe dann aber zum Glück direkt regelmäßig gespielt.

Australien: Der Gegner in meinem ersten Länderspiel am 28. Januar 2005. Wir haben 0:1 verloren. So richtig erahnen konnte man damals nicht, dass ich weitere 136 Länderspiele absolvieren würde. Ich war vorher schon mal bei der Nationalmannschaft dabei. Bei einem Lehrgang Anfang 2004, wo ich auf all die Spielerinnen getroffen bin, die wenige Monate zuvor in den USA den WM-Titel errungen hatten. Die meisten kannte ich auch nur aus dem Fernsehen. In den ersten Trainingseinheiten dachte ich, ich wäre fehl am Platze.

Frankfurt: Von hier aus sind wir zu den meisten Länderspielen aufgebrochen. Von daher kenne ich den Flughafen dort sehr gut, aber in besonderer Erinnerung sind mir natürlich die Empfänge auf dem Römerberg, wo uns nach unseren Erfolgen mit der Nationalmannschaft zuweilen 20.000 Menschen zugejubelt haben. Ich durfte mich mehrmals ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Außerdem hat der Frauenfußball in Frankfurt Tradition und war immer einer unserer schärfsten Konkurrenten mit dem FCR Duisburg.

Shanghai: Zu China insgesamt besteht natürlich eine besondere Beziehung, auch wenn ich das Land nie so richtig lieben gelernt habe. Ich habe dort im Rahmen eines Vier-Nationen-Turniers mein erstes Länderspiel gemacht, mein erstes Tor für die Nationalmannschaft erzielt, meine ersten Olympischen Spiele miterlebt und meine erste Medaille geholt. In Shanghai sind wir 2007 Weltmeister geworden. Das Finale damals gegen Brasilien zählt sicher zu einem der besten Frauenfußballspiele.

Wolfsburg: Ort einer bitteren Niederlage. Das Viertelfinal-Aus gegen Japan bei der WM im eigenen Land. Auf dem Feld habe ich die Situation, die zum entscheidenden 0:1 führte, nicht als besonders gefährlich eingeschätzt. Bis heute ist es mir rätselhaft, wie der Ball reingehen konnte. Ansonsten verbinde ich mit dem Turnier viele positive Erinnerungen, zumal ich es trotz langer Verletzungspause im Vorfeld noch geschafft hatte, auf den WM-Zug zu springen und dann auch zu spielen.

Paris: Nach meinem Studium bot mir 2012 der Wechsel zu Saint Germain eine tolle Möglichkeit, Fußball mit einem Auslandaufenthalt zu verbinden. Zum ersten Mal war ich dort dann Profi. Das stellte sich nach kurzer Zeit als nicht optimal heraus. Ich muss mich auch mit anderen Dingen beschäftigen als nur mit Fußball. Ich möchte die drei Jahre aber nicht missen. Ich habe mir die Sprache angeeignet und sportlich lief es bis auf die letzte Saison auch sehr gut. Immerhin stand ich mit PSG 2015 im Champions-League-Finale.

Rio de Janeiro: Bei Olympischen Spielen Gold zu holen, ist etwas ganz Besonderes. Dass sich das nach unserer etwas mühevollen Vorrunde so gefügt hat, hängt mit Glück, aber – wie bei allen anderen Medaillengewinnern – auch mit jahrelanger Arbeit zusammen. Nach den Olympischen Spielen in Peking 2008, wo wir Bronze geholt haben, habe ich immer gesagt habe: „Es ist einfach toll mit irgendeiner Medaille nach Hause zu kommen“ Jetzt kann ich sagen, es ist einfach nochmal ein ganz anderes Gefühl wenn die Medaille die goldene Farbe trägt.

Leverkusen: Meine Rückkehr in die Bundesliga zu Bayer Leverkusen war auch eine Rückkehr in die Heimat Bochum, wo ich nun wieder lebe. In Leverkusen habe ich sehr gute Bedingungen vorgefunden, leider hat es am Ende nicht zum Klassenerhalt gereicht. Mit der Gewissheit, im Prof-Fußball viel erlebt und schöne Erfolge erzielt zu haben, ist jetzt einer guter Zeitpunkt gekommen, andere Prioritäten in meinem Leben zu setzen.

Annike hat ihre Fußballschuhe jetzt an den Nagel gehängt. Seit einigen Monaten absolviert sie ein Trainee in der Eventabteilung des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund und agiert dort gelegentlich auch als Gästeführerin. Die Gäste lieben sie, weil sie als Ex-Profi genau weiß, wovon sie spricht…

Dortmund: Meine Arbeit im Team des Deutschen Fußballmuseums macht mir viel Freude und ist eine große berufliche Chance. Die Kuratoren-Kollegen fragen mich natürlich nach meiner Goldmedaille für die Ausstellung, aber noch kann ich mich nicht trennen. Ich muss sie auch noch bei vielen Anlässen präsentieren.

Text: Knut Hartwig

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