ein Kaffeeservice für den Titel

#foodMW – wenn es als Siegprämie für den Titel ein Porzellan-Service gibt

Die diesjährige #MuseumWeek 2017 ist speziell allen Frauen gewidmet. Für den ersten Hashtag #foodMW ist uns schnell ein Exponat aus dem Deutschen Fußballmuseum eingefallen, das immer wieder für Erstaunen bei den Gästen sorgt: das Porzellan-Service als Prämie für den EM-Titel der Frauen 1989.

Wäre die deutsche Nationalmannschaft – die Rede ist von den Männern – 2016 Europameister geworden, hätte jeder Spieler 300.000 Euro für den Titelgewinn erhalten. An solche Summen hat sich die Öffentlichkeit fast gewöhnt… und vergisst dabei, dass die deutschen Fußball-Frauen vor nicht einmal 30 Jahren vom DFB für den EM-Sieg etwas, nun ja, „Praktisches“ bekamen. Nämlich ein Porzellan-Service von Villeroy & Boch für die heimische Kaffeetafel. Heutzutage kaum zu glauben. Im Deutschen Fußballmuseum ist ein Teil davon ausgestellt. Und gerade jüngere Gäste fangen ungläubig zu kichern an, wenn sie hören, dass dies die Belohnung für den Europameister-Titel war. Immerhin ist das Staunen ein gutes Zeichen dafür, dass die Zeiten fehlender Wertschätzung vorbei sind und Frauenfußball längst selbstverständlich ist.

Aus heutiger Sicht lässt sich kaum verneinen, dass hinter der Kaffee-Service-Prämie von 1989 ein tradiertes Rollenbild steckte. Und Unbeholfenheit seitens der Verantwortlichen gegenüber fußballspielenden Frauen. Irgendwie herrschte wohl immer noch die Vorstellung der Frau als Heimchen am Herd, die sich um das leibliche Wohl ihrer Familie zu kümmern hatte, statt dem Ball nachzujagen. Nicht mehr laut ausgesprochen wie noch ein paar Jahrzehnte zuvor, aber doch subtil als filigranes Porzellan verpackt. Zum Vergleich: Die Herren erhielten für den WM-Titel 1990 umgerechnet rund 64.000 Euro.

Der Frauenfußball musste lang um Anerkennung und Respekt kämpfen – und wohl noch länger gegen Vorurteile. Nach den zaghaften Anfängen des Sports lautet die Kurzfassung: Verbot 1955, Wiederzulassung 1970. Zwölf Jahre danach beauftragte DFB-Präsident Hermann Neuberger den Chef-Trainerausbilder des DFB Gero Bisanz mit dem Aufbau eines Nationalteams.

Am 10. November 1982 bestritt die Auswahl gegen die Schweiz ihr erstes offizielles Länderspiel. Innerhalb weniger Jahre etablierten sich die deutschen Fußballfrauen in der Weltspitze. Bereits sieben Jahre nach der Länderspiel-Premiere holte das Team mit einem 4:1 im EM-Finale gegen Norwegen den ersten Titel – die Prämie kennt ihr jetzt schon…

Heute spielen Millionen Mädchen und Frauen in Deutschland aktiv Fußball. Ab der neuen Saison pfeift erstmals eine Profi-Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga der Männer. Und die Prämien für EM- und WM-Titel? Die sind immer noch niedriger als die der Männer. Was deshalb gerechtfertigt ist, weil im Frauenfußball nun mal auch per se deutlich weniger Geld im Spiel ist. Aber immerhin: Sie fließen nicht mehr als Sachprämie unmittelbar in die Küchenausstattung einer vermeintlich guten Hausfrau.

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