Musikalische Spurensuche

Wer nicht fühlen will, muss hören! Eine musikalische Spurensuche im Deutschen Fußballmuseum

Fußball und Musik – eine unendliche Geschichte! Wer durch das Deutsche Fußballmuseum geht, dem fallen vor allem zwei Perspektiven ins Auge… äh, ins Ohr. Zum einen die „musikalischen“, weil trällernden Profifußballer. Und wie werden die zu Nationalspielern, wenn man sportliches Talent und andere Kleinigkeiten mal als gegeben annimmt? Na klar: durch lautstarke Fanunterstützung.

Fußballer haben in der Vergangenheit auch im Musikbusiness für Furore gesorgt, ob im Team oder als Einzelkämpfer. Wenn gestandene Sportler im Tonstudio verschwinden, können durchaus musikalische Schätzchen entstehen. Und genau das ist im Deutschen Fußballmuseum erlebbar. Ganz nach dem Motto: Jetzt singen sie auch noch…


Der Name „Tonstudio“ ist Programm. Von außen sieht der Raum harmlos aus. Innen drin aber tobt der Bär. Hier warten sämtliche Hits, die die deutsche Nationalmannschaft zur jeweiligen Zeit geschmettert hat, zum Rauf- und Runterhören. „Fußball ist unser Leben“ (1974), „Wir sind schon auf dem Brenner“ (1990) oder „Far away in America“ (1994) sind nur drei von vielen musikalischen Schmankerln.

Ob man die Songs als Anlass zum ungehemmten Mitgrölen nimmt oder ganz verschreckt lieber schnell die Flucht ergreift – bei den Museumsgästen sind beide Reaktionen zuverlässig zu beobachten. Irgendjemand muss die Platten damals aber gekauft haben, davon zeugen die Auszeichnungen an der Wand des Tonstudios: die Goldene Schallplatte für „Olé España“ von Michael Schanze und der Nationalmannschaft zur WM 1982 in Spanien und die Goldene Schallplatte für „Buenos Dias Argentina“ von Helmut Schöns Truppe (1978). Für letztgenannten Hit gab es später sogar Platin.

Fußball ist ein Mannschaftssport, fürs Singen gilt das jedoch nicht zwingend. Die Plattencover der Top Ten der musikalischen Solo-Hits wecken Erinnerungen bei den Besuchern der Dauerausstellung: Franz Beckenbauer besingt das „1:0 für die Liebe“, bei Gerd Müller „…macht es bumm“, die Kremers-Zwillinge würdigen „Das Mädchen meiner Träume“. Recht einseitig geht es in den Songtexten um Fußball oder Frauen – man könnte fast vermuten, Männer hätten nur dies im Kopf.

Bei all der Nostalgie stellt sich die Frage, wann es aufgehört hat, dass Fußballer zum Mikrofon greifen. Ist doch fast schade drum. Heutzutage hört man vor allem von den sogenannten Kabinen-DJs, die sich vor dem Spiel um die richtige Einheizer-Musik kümmern. Nahezu jedes Team hat hinter den Kulissen jemanden, der den Takt vorgibt – ob bei den Profis oder den Amateuren. Die Mutter aller Kabinen-DJs in Deutschland ist Gerald Asamoah. Denn niemand anderes als Jürgen Klinsmann hatte es bei der Nationalmannschaft eingeführt, dass in der Umkleide Musik gehört wird.

2012 hatten Uli Voigt und Wolfgang Hochfellner aus dem DFB-Stab mehrere WDR-Journalisten gebeten, zwei CDs für die emotionale Einstimmung im Mannschaftsbus zusammenzustellen. Auch dieses Exponat ist im Deutschen Fußballmuseum zu sehen. Mittlerweile, so hört man, ist es Jérôme Boatengs Aufgabe, für die Playlist zu sorgen.

Nach wie vor springen immer wieder Künstler und Bands auf den Zug auf und bringen im Vorfeld der großen Turniere Fußballlieder auf den Markt. Oliver Pochers „Schwarz und weiß“ wird nach wie vor regelmäßig bei den Auftritten der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Die Zeilen von „’54, ’74, ’90, 2006“ von den Sportfreunden Stiller kann wohl jeder Fan im Schlaf mitsingen.
Eine emotionale Verbindung von Sportereignis und Musik entsteht auch aus dem Turnierverlauf und der Geschichte heraus – das lässt sich nicht unbedingt erzwingen. Noch heute denkt jeder unmittelbar an das Sommermärchen 2006, wenn Xavier Naidoos „Dieser Weg“ läuft.

Trotzdem: Insgeheim wünschen wir uns für 2018 mal wieder einen Track des DFB-Teams. Das Tonstudio im Fußballmuseum bietet genug Platz für weitere musikalische Höhenflüge. Das würde sicherlich auch die Fans freuen. Sie treiben ihre Vereinsmannschaft regelmäßig mit Hingabe und Instrumenten-Begleitung zum Sieg.

Und wenn es eine Niederlage wird? An fehlender Unterstützung aus dem Fanblock kann es nicht liegen. Klassische Trommeln, die auch heutzutage noch in jedem Bundesliga-Stadion zu sehen sind, sind im Bereich „Fans und Fankultur“ des Deutschen Fußballmuseums zu bestaunen – exemplarisch aus dem Jahre 1980 von Werder Bremen-Anhängern und damit ganz in Grün-Weiß.

Nicht mehr ganz so häufig sieht man Ratschen in den Stadien. Und wenn, dann sind sie aus schnödem Plastik. Das Fußballmuseum zeigt historische Holz-Ratschen aus der Vorkriegszeit (1936 und 1938). Wie Dinge sich ändern: Im Sommer 2010 waren plötzlich Vuvuzelas in aller Munde. In Deutschland konnten sie sich (zum Glück?) nicht durchsetzen. Während der Weltmeisterschaft 2010 waren die traditionellen Faninstrumente aus Südafrika aber auch hierzulande in jedermanns Gehörgang. Laut Studien liegt ihr Geräuschpegel bei bis zu 123 Dezibel.

Dann doch lieber singen! Die fast religiös anmutenden Lieder aus den Fanblocks sind ein ganz eigener Themenkomplex zu „Fußball und Musik“. Wer braucht schon Instrumente, wenn er seine Stimme immer dabei hat? Das ANSTOSS-Kulturprogramm beleuchtet im ersten Quartal 2017 Kurvenklänge und Fußballhymnen. Der Spielplan steht auf unserer Website.

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