Michael Ballack - 1999

Zum 40. Geburtstag von Michael Ballack: ein Großer zwischen den Generationen

Michael Ballack, zweifelsohne einer der wichtigsten deutschen Fußballer in den sogenannten Nullerjahren, wird morgen 40 Jahre alt. Bei den Turniersiegen in den Neunzigern noch nicht dabei, beim WM-Triumph 2014 nicht mehr – der „Capitano“ aus Görlitz war ein Großer zwischen den Generationen.

Im Spätsommer 1998, wenige Wochen nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus der Nationalmannschaft bei der WM in Frankreich, schrie die gebeutelte Fußballnation nach einem Neuanfang und blickte dabei hoffnungsvoll nach Kaiserslautern. Der 1. FCK, als Bundesliga-Aufsteiger in der vorherigen Saison sensationell Meister geworden, barg mit Stürmer Marco Reich und Mittelfeldspieler Michael Ballack auch zwei der größten deutschen Talente in seinen Reihen. Eine der letzten Amtshandlungen des alsbald scheidenden Bundestrainers Berti Vogts war ihre Nominierung für eine damals anstehende Länderspielreise nach Malta. Ihr Debüt folgte jedoch erst einige Monate später, dann schon unter Vogts‘ Nachfolger Erich Ribbeck.

Für Marco Reich gab es keine weiteren Einsätze, bei Michael Ballack wurden es 98. Nach seinem letzten Länderspiel, ohne dass sich der Abschied zu dem Zeitpunkt abgezeichnet hätte, schien der nationale Fußball-Notstand erneut eingetreten. Die ARD sendete deshalb nach der Tagesschau einen „Brennpunkt“. Ballack hatte sich in einem Ligaspiel eine schwere Verletzung zugezogen und fiel für die bevorstehende Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika aus. Was sollte bloß werden? Beziehungsweise, was war bis dahin geschehen, dass er seinerzeit als unverzichtbar galt, auch wenn sich das bereits beim WM-Turnier relativieren sollte?

Ballack war groß geworden, nicht nur auf Grund seiner Statur von 1,89 Metern, die er in typisch aufrechter Körperhaltung mit enormer Präsenz über das Spielfeld bewegte. Schnell hatte er sich vom Hoffnungsträger zum Star der Bundesliga entwickelt, was auch auf einer klugen Karriereplanung basierte.

Nach seinen Jahren in Lautern entschied er sich zunächst für die Station Bayer Leverkusen, wo er seine herausragenden Qualitäten auf nationaler und internationaler Ebene unter Beweis stellte. Als Mittelfeldspieler strahlte er, ausgestattet mit außergewöhnlicher Kopfball- und beidfüßiger Schussstärke, große Torgefahr aus, vermochte dabei aber auch in der Defensive Akzente zu setzen. Er führte Leverkusen in seinem vielleicht besten Jahr 2002 in die finalen Entscheidungen um die Deutsche Meisterschaft, des DFB-Pokals und der Champions League. Nur zu einem Titel reichte es dabei nicht. Das änderte sich mit seinem Wechsel im gleichen Jahr zum FC Bayern München, mit dem er gleich dreimal den Gewinn des Doubles feiern konnte. Als dreimaliger Fußballer des Jahres, Nationalmannschaftskapitän sowie gereifte und international renommierte Spielerpersönlichkeit wechselte er schließlich nach England zum FC Chelsea, errang dort ebenfalls Meisterschaft und Pokal und scheiterte wieder nur knapp am Gewinn der Champions League.

Michael Ballack, der bisher einzige Nationalspieler, der insgesamt fünf Bundestrainer miterlebte, entwickelte sich in einer Zeit des langen Umbruchs, in der er zunächst einer beinahe erdrückenden Erwartungshaltung an sein besonderes Talent standhalten musste, zur prägenden Figur des deutschen Fußballs. Als mit Lothar Matthäus, Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Olaf Thon und Andreas Möller die letzten Weltmeister von 1990 nach und nach die Bundesliga-Bühne verließen und mit Matthias Sammer, verletzungsbedingt, und Stefan Effenberg zwei weitere Charakterköpfe ihre Karrieren beendeten, ebnete er gemeinsam mit dem zweimaligen Welttorhüter Oliver Kahn der nachfolgenden Generation Weltmeister von 2014 den Erfolgsweg. Im langen Schatten der viele Jahre unangefochtenen Größen konnte sich so manch‘  aufstrebendes Talent zwar nicht immer wohlfühlen, aber in Ruhe und schließlich bis auf Augenhöhe wachsen und gedeihen.

Autor: Knut Hartwig

Das Portrait ist erstmals erschienen in: „Mehr als ein Spiel – Das Buch zum Deutschen Fußballmuseum“.

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