Merle ist die erste Azubine

Merle wird Fachfrau für Systemgastronomie – der Blick über den Tellerrand

Merle Reuschenbach ist von Anfang an mit dabei. Seit der Eröffnung des Deutschen Fußballmuseums im Oktober 2015 war die 20-Jährige zunächst im Rahmen eines Minijobs und später als Praktikantin in der Gastronomie des Museums tätig. Schließlich entschloss sie sich, einen Schritt weiter zu gehen. Nun ist die angehende Fachfrau für Systemgastronomie die erste Auszubildende des Deutschen Fußballmuseums.

Seit dem Sommer bietet das Fußballmuseum einen Ausbildungsplatz in der Gastronomie an. Weitere Ausbildungsmöglichkeiten in den Bereichen Verwaltung und Technik werden wahrscheinlich folgen.

Wir wollten wissen: Wie sieht eine Ausbildung in der Systemgastronomie aus? Was sind typische Arbeitsfelder? Welche Möglichkeiten bietet dabei das Deutsche Fußballmuseum als Arbeitgeber? Merle Reuschenbach und Michael Keßeler, Geschäftsführer des Deutschen Fußballmuseums, greifen diese Fragen auf und geben aus zwei Perspektiven einen Einblick in die vielschichtige Arbeitswelt des Deutschen Fußballmuseums.

Herr Keßeler, vor rund einem Jahr hat das DFM den Betrieb aufgenommen. Wie sehen Sie die Situation des DFM aus Sicht eines Arbeitgebers?

Michael Keßeler: Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, insbesondere auch jungen Menschen eine Möglichkeit zum Arbeiten zu geben. In diesem Zusammenhang haben wir einen gewissen Anspruch an uns selbst. So beschäftigen wir auch gerne Praktikanten, Werkstudenten und Volontäre. Darüber hinaus bin ich sehr stolz, dass wir in unserem Museum unterschiedliche Berufsfelder vereinen. Bei uns arbeiten Kollegen aus dem kaufmännischen und technischen Bereich eng mit Kuratoren und Servicekräften zusammen.

Welche Bedeutung hat es für Sie als Geschäftsführer, junge Leute im DFM auszubilden und schon früh in den Museumsbetrieb zu integrieren?

Michael Keßeler: Das ist für uns ein wichtiger Punkt, da wir diesbezüglich eine soziale Verantwortung haben. Daher möchten wir jungen Menschen nicht nur einen qualitativ hochwertigen Arbeitsplatz, sondern gleichzeitig auch Perspektiven nach der abgeschlossenen Ausbildung bieten. Das ist für uns besonders wichtig.

Hallo Merle, du hast vor zwei Monaten deine Ausbildung im DFM begonnen. Wie fühlt es sich an, hier die erste Auszubildende zu sein?

Merle Reuschenbach: Das ist natürlich eine kleine Ehre für mich. Man kannte sich gegenseitig schon und daher ist es für mich irgendwo auch ein Kompliment für meine bisherige Arbeit, dass ich nun den ersten Ausbildungsplatz im Museum im Bereich Systemgastronomie bekommen habe.

Wie bist du überhaupt auf den Ausbildungsberuf „Fachfrau für Systemgastronomie“ aufmerksam geworden?

Merle Reuschenbach: Durch meine Tätigkeit im Museum habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit in der Gastronomie viel Spaß macht. Also wollte ich auch in diesem Bereich eine Ausbildung anstreben. Allerdings habe ich mir nicht speziell vorgenommen, Fachfrau für Systemgastronomie zu werden. Es kam dazu, weil mir meine Vorgesetzte Frau Altenbeck von der neuen Ausbildungsmöglichkeit im DFM erzählt und mir vorgeschlagen hat, meine Ausbildung doch im Museum im Bereich Systemgastronomie zu absolvieren.

Warum hast du dich für eine Ausbildung im DFM entschieden?

Merle Reuschenbach: Ich hatte natürlich schon Erfahrungen, was die Arbeit im Fußballmuseum betrifft. Die netten Kollegen und die abwechslungsreiche Arbeit waren nur zwei ausschlaggebende Kriterien. Was mich jedoch besonders beeinflusst hat, ist die Tatsache, dass es sich bei der Tätigkeit um einen sehr modernen Ausbildungsberuf handelt, der einen hohen administrativen Teil enthält und sich teilweise stark von der Arbeit einer klassischen Restaurantkauffrau abgrenzt.

Herr Keßeler, was erwartet künftige Auszubildende im Rahmen ihrer Ausbildung?

Michael Keßeler: Wir haben festgestellt, dass unsere Mitarbeiter eine große Offenheit vorweisen, was die Bereitschaft zum Ausbilden betrifft. So bekommt man in der Ausbildung im Bereich Systemgastronomie in unserem Haus beispielsweise ebenfalls Einblicke in die Buchhaltung, die Museumspädagogik und die Arbeit der Kuratoren unserer Ausstellung. Wir wollen also einen Blick über den Tellerrand des eigentlichen Ausbildungsbereichs ermöglichen. Der oder die Auszubildende soll das große Ganze des Museumsablaufs verstehen. Das heißt natürlich nicht, dass die fachspezifischen Aufgabeninhalte, die für das Erlernen dieses Berufs erforderlich sind, vernachlässigt werden.

Was sind denn typische Aufgaben innerhalb deiner Ausbildung und wie ist diese aufgebaut?

Merle Reuschenbach: Als Fachfrau für Systemgastronomie bin ich mehr in der Verwaltung tätig als z.B. eine Restaurantkauffrau. Ich habe zwar natürlich auch typische operative Tätigkeiten zu erledigen wie etwa das Ausschenken von Getränken. Darüber hinaus fällt beispielsweise aber auch die Erstellung von Dienstplänen in meinen späteren Aufgabenbereich. Die Ausbildung an sich dauert 3 Jahre. Aufgrund der Tatsache, dass ich Abitur und bereits praktische Erfahrung habe, kann ich meine Ausbildungszeit auf 2,5 Jahre verkürzen. Neben der Arbeit in der Küche erhalte ich u.a. auch Einblicke in die Museumpädagogik, die Verwaltung und den Service.

Warum sollten sich junge Menschen für eine Ausbildung im DFM entscheiden?

Michael Keßeler: Ich denke, dass unser Museum ein interessantes Projekt ist, das ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in Deutschland hat. Die daraus resultierenden Rahmenbedingungen und die große Spannbreite an Berufsfeldern machen es für Arbeitnehmer und insbesondere für junge Leute attraktiv.

Merle, was gefällt dir an deiner Ausbildung besonders?

Merle Reuschenbach: Ich habe gute Zukunftschancen, weil es sich um einen modernen Beruf handelt. Am besten gefällt mir die Vielseitigkeit des Berufs. Ich arbeite in verschiedenen Bereichen, wie dem Service oder dem Personal, und bekomme gleichzeitig während der Ausbildung Einblicke in weitere angrenzende Arbeitsfelder. So interessiert mich außerhalb der Gastronomie vor allem die Arbeit rund um die Organisation und den Ablauf von Events und Tagungen. Am DFM schätze ich besonders die enorme Gästevielfalt, mit der wir es zu tun bekommen, weil sich so viele unterschiedliche Menschen für den Fußball interessieren und unser Museum besuchen.

Was erwartest du für die Zukunft? Was sind deine Pläne?

Merle Reuschenbach: Noch habe ich keine konkreten Ziele. Ich möchte im Rahmen meiner Ausbildung gut abschneiden und nach der Arbeit glücklich und zufrieden nach Hause kommen. Bisher ist mir das ganz gut gelungen.

Wenn Sie in die Zukunft schauen: Was sind Ihre Pläne hinsichtlich des Ausbildungsangebotes im DFM?

Michael Keßeler: Wir möchten neben Frau Reuschenbach auch anderen jungen Menschen die Chance geben, im Deutschen Fußballmuseum eine Ausbildung zu absolvieren. Neben Ausbildungsplätzen in der Gastronomie planen wir, ggf. mittelfristig Plätze in der Verwaltung und in der Technik anzubieten. Dabei wollen wir jedoch nicht planlos möglichst viele Leute ausbilden, sondern gezielt vorgehen, um für unsere Auszubildenden auch nachhaltig eine Perspektive in unserem Museum zu schaffen.

Was empfiehlst du bzw. was empfehlen Sie anderen jungen Menschen, die sich für den Ausbildungsberuf interessieren? Welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Merle Reuschenbach: Man sollte vor allem gut mit Menschen umgehen können, weil man in diesem Beruf mit vielen Leuten in Kontakt kommt, sei es am Telefon oder vor Ort im Museum. Außerdem ist es immer wichtig, Kritik konstruktiv verarbeiten zu können. Des Weiteren sollte einem bewusst sein, dass man in der Gastronomie auch ab und zu bis spät in die Nacht oder am Wochenende arbeiten muss. Damit habe ich allerdings kein Problem.

Michael Keßeler: Ich stimme mit Frau Reuschenbach überein, dass die Interaktion mit Menschen eine große Bedeutung in diesem Bereich hat. Dieser Aspekt trifft auf die gesamte Museumsarbeit zu. Außerdem ist ein gewisses Interesse für Sport und speziell für den Fußball vorteilhaft. Wichtig ist vor allem, dass man offen für neue Dinge ist, die man vielleicht im ersten Moment nicht direkt mit dem Ausbildungsbereich verbindet.

Was können Sie am Ende dieses Gespräches Frau Reuschenbach als erster Auszubildenden des DFM mit auf den Weg geben?

Michael Keßeler: Ich kann ihr nur raten, sich intensiv mit den einzelnen Arbeitsfeldern innerhalb des Museums auseinanderzusetzen und diese gedanklich zusammenzuführen, um das große Ganze zu verstehen. Denn es ist wichtig, die übergeordneten Ziele des Fußballmuseums zu verinnerlichen und die Abläufe zu verstehen. Dann kann man dies bei der eigenen Arbeit berücksichtigen und erkennen, wie man in Kooperation mit den Kollegen zum Erfolg des Museums beiträgt, sowie gleichzeitig eine interessante und abwechslungsreiche Tätigkeiten vollziehen.

Das Interview führte Felix Böhmer. Der 21-Jährige absolviert derzeit ein 3-monatiges Praktikum in der Verwaltung des Deutschen Fußballmuseums. Bisher hat er schon Einblick ins Ticketing, die Marktforschung und die verschiedenen Vetrtriebskanäle bekommen. Außerdem unterstützt er die Kommunikationsabteilung – siehe dieses Interview 🙂 . Felix studiert Wirtschaftswissenschaften an der TU Dortmund.

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