Weltmeistermacher-Unterhose - Vorderansicht

Wir müssen die Fußballgeschichte umschreiben: Warum wir 2014 wirklich Weltmeister geworden sind

Eine katastrophale EM im Jahr 2000. Die Deutschen scheiden unter Bundestrainer Erich Ribbeck in der Vorrunde kläglich aus. Der DFB ergreift daraufhin Radikalreformen, baut ein ganz neues Scouting-System auf. Holt junge Talente in Leistungszentren zusammen und sammelt peu à peu erste Erfolge – die nach dem Sommermärchen und überzeugenden Turnierleistungen in den Folgejahren 2014 endlich im Weltmeistertitel gipfeln. Die Goldene Generation um Bastian Schweinsteiger – sie krönt ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren in Rio mit dem WM-Pokal. Umgeben von Trainern und Betreuern, die alles bis ins letzte Detail geplant und perfektioniert haben. Innovative Trainingsformen, sportlergerechte Ernährung – fast zwangsläufig, dass dies im Titel mündet. So geht die offizielle Legende.

Ja, auch wir haben uns täuschen lassen. Aber nun hat sich der wahre Weltmeister-Macher gemeldet. Jogi Löw? Nein! Klug, dass er sich mit seinem Anliegen direkt an das Deutsche Fußballmuseum gewandt hat. Denn wir gehen den Dingen investigativ auf den Grund. Und so hat sich unser Ausstellungsteam die ganze Story von Uli Müller erzählen lassen…

Uli Müller? Ja. Ein Allerweltsname, meint man. Doch dieser Uli Müller ist der Käufer (und selbstredend auch Träger) der Weltmeistermacher-Unterhose. Ein verheirateter Familienvater und Lehrer an einer kaufmännischen Berufsschule, den wir nun exklusiv zum Gespräch baten – weil er uns ein außergewöhnliches Exponat für die Dauerausstellung angeboten hat.

Herr Müller, als wir Ihre Mail mit den Unterhosen-Bildern öffneten, mussten wir erst mal schlucken. Aber dann haben wir das Potenzial der Geschichte erkannt. Erzählen Sie mal – was hat es mit der Weltmeistermacher-Unterhose auf sich, die Sie nun dem Deutschen Fußballmuseum übergeben wollen?

Viele rätseln noch jetzt darüber, wie souverän die deutsche Nationalmannschaft 2014 Weltmeister wurde. Es mag viele Erklärungsversuche geben, aber nur eine Erklärung ist auch empirisch belegbar. Es lag an meiner günstig bei einem großen Discounter erworbenen Deutschland-Unterhose.

Auch ich war zunächst skeptisch. Ich trug sie zu fast allen Spielen – außer gegen Ghana, Endstand nur 2:2 – und ebenfalls nicht in der regulären Spielzeit des Achtelfinales gegen Algerien. Als es eng wurde, holte ich sie aus der Wäsche, zog sie an… und in der 92. Minute traf Schürrle zum 1:0. Den Rest kennen Sie… Ich kann Ihnen versprechen, in der Hose steckt Magie.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin bereit, diese Unterhose Ihrem Museum und damit einer breiten Öffentlichkeit und Fangemeinde zugänglich zu machen. 2014 sind Fakten geschaffen worden, die die Halbwertszeit einer Tageszeitung übertreffen sollten. Deutsche Fußballgeschichte gehört in ein erstklassiges Museum.

Ein Angebot, das wir kaum abschlagen können! Unsere Kuratoren sind in intensiven Gesprächen. Wir müssten zwar den Bereich „Goldene Generation“ neu denken, aber das wäre es uns wert.  – Woher kommt Ihre Leidenschaft zum Fußball?

Mein Herz schlägt für Borussia Mönchengladbach und insbesondere für die deutsche Nationalelf. Selber habe ich bis zum 22. Lebensjahr für den SC09 Erkelenz und den 1. FC Mönchengladbach als Torwart gespielt. Als „Katze vom Niederrhein“ hatte ich dort natürlich Kultstatus. Warum es bei mir nicht selbst für die Nationalelf gereicht hat? Ich weiß es nicht. Ich habe bis heute keine Erklärung, die empirisch belegbar ist! Vielleicht kneifende Unterhosen wie bei Jogi Löw, die mich in den entscheidenden Situationen davon abgehalten haben, die unhaltbaren Bälle zu halten. Vielleicht habe ich auch während meiner eigenen Spiele zu häufig Bundesligakonferenzen im Radio gehört oder zu lange Zeitung gelesen. Witze auf Kosten des Trainers… vielleicht lag es aber auch nur am DFB, der sich ja erst nach Erich Ribbeck um ein vernünftiges Scouting-System gekümmert hat.

An der Unterhosen-Geschichte sieht man aber: Ich hatte halt einfach ein goldenes Händchen. So wie ich früher die Bälle wie mit Magneten angesaugt habe, hielt ich genau diese Unterhose sicher in der Hand.

Erzählen Sie uns noch mal die gesamte Unterhosen-Chronologie aus 2014, bitte.

Beim Spiel gegen Portugal – ich trug die Unterhose während des kompletten Spiels – lief bei uns ja alles flüssig. Gegen Ghana waren wir bei Freunden eingeladen und ich hatte eine andere Unterhose an. Ganz langsam – vielleicht kennen Sie das – machte sich bei mir ein Schuldgefühl breit. Ich hatte etwas falsch gemacht, ich habe unsere Elf hängen lassen. Aus schlechtem Gewissen zog ich dann gegen die USA wieder die Unterhose an, war es ja doch noch wichtig, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Gegen Algerien schlich sich allerdings bei „Bruder Leichtfuß“ eine gewisse Ignoranz und Arroganz ein: „Wir schaffen das auch so!“

Dabei hatte meine Frau mich sogar im Vorfeld extra gefragt, ob die Unterhose für das Spiel noch gewaschen werden sollte. Während des Spiels wurde ich immer nervöser. Nach den 90 Minuten habe ich es nicht mehr ausgehalten und die Unterhose aus der Wäschebox rausgeholt und angezogen. Übrigens war es für mich kein Opfer; die „Opfer“ waren vielleicht meine Frau und meine Kinder, die neben mir saßen.

Wie ging es weiter?

Als Schürrle uns dann wenige Minuten später in Führung schoss, war mir alles klar. Das war das eigentliche „Schlüsselerlebnis“. Die Unterhose, Uli Müller und die deutsche Nationalelf – da wächst zusammen, was zusammengehört. Wir werden Weltmeister. Alle Zweifel wurden zlataniert. Die Siege über Frankreich und nicht zuletzt Brasilien waren die nächsten Beweise. In dieser Unterhose steckt Magie – wir holen uns den vierten Stern.

Das Finale allerdings wieder ein Wechselbad der Gefühle. Ein Aussetzer von Kroos, mein einziger Gladbacher kann sich an nichts erinnern und Höwedes trifft nur den Pfosten! Ich zweifelte – wie könnte ich die Mannschaft noch aus der Ferne unterstützen? Wir waren bei unseren Freunden und haben gemeinsam auf Leinwand das Finale geschaut. Ein Elfmeterschießen oder ein unverdientes Gegentor musste auf jeden Fall verhindert werden. Mir war auch völlig egal, ob ich mich zum „Horst“ mache. Es gab nur eins: Die letzte Viertelstunde muss alles aus bis auf… Sie ahnen es! Der Jubelrausch wollte kein Ende nehmen.

Sie sprechen immer nur von 2014. Welchen Anteil hatten Sie an den Erfolgen zuvor?

Natürlich habe ich seit 1974 bei allen großen Titeln sehr gejubelt (damals ein Fahrrad-Korso auf dem Bonanza-Rad und Fuchsschwanz, mit einer Wäscheklammer wurde damals in den Speichen ein Bierdeckel eingeklemmt, um für ausreichenden Lärm zu sorgen!), einen Anteil an diesen Erfolgen hatte ich jedoch nicht. Ich würde mich nie mit fremden Federn schmücken.

Sie waren selbst als Fußballer aktiv – erkennen Sie einen Zusammenhang? 

Meine eigene sportliche Vergangenheit spielte bei der ganzen Geschichte bisher nur eine untergeordnete Rolle. Aber das muss nicht so bleiben… wie ein guter Wein werde ich von Jahr zu Jahr besser. Außerdem habe ich nicht mehr so viele Flausen im Kopf wie in meiner Jugend.

Selber spiele ich zurzeit nur einmal im Jahr, wenn es heißt: Lehrer gegen Schüler. Vor gut zwei Wochen habe ich mit einigen Glanzparaden viele Hundertprozentige vereitelt, als  Torwart das 2:2 aus der eigenen Hälfte geschossen und einen Elfmeter gehalten. Für einen Sieg hat es leider dennoch nicht gereicht, weil man zu vielen meiner Kollegen das Alter anmerkt. Aber Sie erkennen, ich selbst bin ein Torwart modernster Prägung.

Und dann sind Sie „nur“ Lehrer geworden?

Lehrer zu werden, war keine fatale Idee, sondern Plan B. Junge Leute zu unterrichten und ihnen nebenbei ein paar Lebensweisheiten zu vermitteln, kann tatsächlich Spaß machen. Ich hoffe, dass man mich in Zukunft auch weiterhin noch auf die Schüler loslässt. Vielleicht freuen sich die Schüler demnächst sogar nach einem „ungenügend“ in einer Klassenarbeit. Hauptsache, sie haben ein Autogramm von mir!

Nach diesem Wahnsinns-WM-Triumph: Wie halten Sie es mit der Unterhose bei der EM 2016?

Da zitiere ich gern einen geschätzten Kollegen: „Wer nicht abergläubisch ist, ist kein wahrer Fan!“ Mein tiefer Aberglaube lässt mir keine andere Wahl. Natürlich trage ich die Unterhose auch bei dieser EM! Das haben Sie doch gemerkt, oder? Am Donnerstag wird es schwierig, aber:

Wir geben wieder unser Bestes! 2014 gab es das Fußballwunder, aber für eine EM kann ich keine seriösen Versprechungen abgeben. Ich l(i)ebe Fußball. Jetzt geht es wieder um einen großen Titel. Alles andere ist primär.

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4 Gedanken zu „Wir müssen die Fußballgeschichte umschreiben: Warum wir 2014 wirklich Weltmeister geworden sind“

  1. Lieber Uli Müller,

    ich hoffe der DFB und unsere Nationalelf haben sich erkenntlich gezeigt, dass Du gemeinsam mit Deiner Weltmeistermacher-Unterhose einen wesentlichen Beitrag zum Gewinn des 4. Weltmeistertitels geleistet hast.

    Ich weiß, wie schwer es ist, eine Weltmeisterschaft ehrenamtlich nach Deutschland zu holen.

    Sportliche Grüße

    Franz B. (letzter lebender Kaiser Deutschlands)

  2. Wie damals….., dieser entscheidende Flugkopfball zum 1:0 gegen Borussia Bellinghoven aus der eigenen Hälfte .
    Warum nur, bist du danach in die falsche Fankurve gelaufen……????

  3. Ich bin begeistert. Danke Herr Müller.

    Dieses wertvolle Ding, muss unbedingt ausgestellt werden, damit die Nachwelt die Wahrheit erfährt.

    Wie sehen denn die Reinigungsprozesse aus? Gibt es „rituelle Waschungen“? Nicht das das gute Stück noch seine Zauberkraft verliert, die ja gegen Italien erneut eindrucksvoll bestätigt wurde!

    Müller ist unser WM-Held 2014. Dieser Name verbrieft deutsche Fussballgeschichte. Sie stehen schon jetzt in einer Reihe mit Gerd und Thomas.

  4. Danke und nochmals Danke ! Die Wahrheit muss ans Licht.
    Lieber Ulrich Müller, wir brauchen Dich – unsere Elf braucht Dich.
    Bitte mach weiter.

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