Werder_Bremen

Über den Tellerrand: ein Blick ins WUSEUM, Vereinsmuseum von Werder Bremen

Zwischen dem Deutschen Fußballmuseum und den Vereinsmuseen besteht ein reger Austausch. Vor diesem Hintergrund stellen wir die Archive und Museen der einzelnen Vereine in loser Reihenfolge vor. Zuletzt waren wir ganz in der Nachbarschaft auf Schalke, diesmal geht es in den hohen Norden nach Bremen.

Marika Diesing aus der Abteilung Fan- und Mitgliederbetreuung des SV Werder Bremen hat aus dem Nähkästchen geplaudert. Sie betreut unter anderem das WUSEUM und das Archiv und koordiniert und organisiert die Stadionführungen im Weser-Stadion.

Marika, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Dann blicken wir mal zurück: Was war der Auslöser, das Werder-Museum zu bauen?

Der Auslöser war eine Kombination aus „guten Gelegenheiten“: Zum einen hatte Werder schon seit mehreren Jahren eine umfangreiche Sammlung. Dazu kamen gute Erfahrungen mit einer erfolgreichen Sonderausstellung anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums im Landesmuseum in Bremen. Und schließlich eröffnete sich durch den Umbau des Stadions im Jahr 2004 die Möglichkeit, das WUSEUM direkt im Weser-Stadion zu integrieren.

Wie groß ist die Ausstellungsfläche und wie viele Exponate zeigt ihr im WUSEUM?

Die Ausstellungsfläche beträgt ca. 345 Quadratmeter. Eine genaue Angabe über die Anzahl der Ausstellungsobjekte zu machen, ist gar nicht so einfach. Schließlich wird die Ausstellung immer wieder ergänzt oder verfeinert. Genug zu sehen gibt es in jedem Fall! (lacht)

Welche Angebote gibt es für den Besucher?

Das ist breit gefächert: In den Stadionführungen oder den Kindergeburtstagsangeboten ist jeweils ein Besuch des WUSEUMS inbegriffen. Zudem gibt es regelmäßig zu den Ferienzeiten besondere Aktionen im WUSEUM. In den Osterferien gibt es eine Osterhasensuche, bei der man tolle Preise gewinnen kann. In den Herbstferien müssen Lebkuchenherzen gesucht und gefunden werden. Außerdem können die Besucher den „Werder-Spieler der Saison“ wählen. Dieser Aktion, die in Kooperation mit Volkswagen stattfindet, ist eine eigene Vitrine gewidmet, in der sich neben einem lebensgroßen Aufsteller Devotionalien des aktuellen und der vergangenen Titelträger befinden. Zudem gibt es auch die Wahl zum „Fanclub des Jahres“, der ebenfalls in einer Vitrine präsentiert wird.

Gibt es denn den „typischen“ Museumsbesucher bei euch?

Nein, den gibt es nicht unbedingt. Neben den „klassischen“ Fußball- bzw. Werder-Fans kommen viele Stadttouristen. Diese sind mehr oder weniger fußball- und sportbegeistert, besuchen aber trotzdem gerne das WUSEUM. Dank des Bremer Flughafens bzw. der kurzen Wege vom Flughafen zur Innenstadt und zum Stadion finden auch viele Tagestouristen aus dem europäischen Ausland zum Stadion. Statistisch erfasst wurden diese Besucher bisher allerdings noch nicht.

Zurück zum WUSEUM selber: Woher kommen die Ausstellungsstücke?

Die Ausstellungsobjekte entstammen dem vereinseigenen Archiv oder haben den Weg über Spenden, Schenkungen, Nachlässe sowie als Leihgaben zu uns gefunden. Zudem gibt es einen verschwindend geringen Anteil an Ankäufen.

Neben dem normalen WUSEUMS-Betrieb: Habt ihr regelmäßig Sonderausstellungen oder Veranstaltungen im Programm wie Lesungen oder Talks?

Sonderausstellungen halten immer mal wieder Einzug in das WUSEUM. Das sind dann sowohl selbst konzipierte Ausstellungen anlässlich der Vereinsgründung oder aber zu (Titel-)Jubiläen wie zuletzt zum 50-jährigen Jubiläum der ersten Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr. Darüber hinaus war das WUSEU auch schon Gastgeber für Wanderausstellung wie „Kicker, Kämpfer und Legenden – Juden im deutschen Fußball“ oder „Doppelpässe –  Wie die Deutschen die Mauer umspielten“. Dazu gibt es viele Sonderaktionen: So fand im WUSEUM schon einmal eine Übernachtungsaktion für den Kids-Club statt, Bücher wurden vorgestellt oder eine Lesenacht organisiert. Das WUSEUM versucht sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, um die Besucher zu locken und ihnen Abwechslung zu bieten.

Kann man bei euch Bremer Legenden treffen?

Mit ein bisschen Glück bestimmt (lacht). Immer mal wieder schauen ehemalige und auch aktuelle Profis im WUSEUM vorbei. Sei es aufgrund von Medien- oder Marketingterminen oder auch einfach mal privat mit der Familie.

Was ist die häufigste Frage, die euch von Besuchern gestellt wird?

Sind die echt? (lacht) Bei vielen Objekten kommt diese Frage regelmäßig auf und bei fast allen Exponate handelt es sich tatsächlich um Originale. Allein die Titeltrophäen sind derzeit leider nur Duplikate.

Welches ist euer kuriosestes Exponat?

Jeder Besucher wird das für sich möglicherweise anders beantworten, aber zu den „ausgefallensten“ und damit für die Besucher interessantesten Objekten zählen sicherlich die Muffe, die zur Saisoneröffnung 2004/ 2005 den Strom im Stadion lahm legte, der liebevoll gestaltetet und aufbereitete „Werder-Trabi“ oder aber die berüchtigte Papierkugel aus dem UEFA-Pokalhalbfinale 2009 in Hamburg.

Und zum guten Schluss: Auf der „Jagd“ nach welchem Exponat seid ihr noch?

Da gibt es manches, aber das Protokoll der Gründungsversammlung wäre ein richtiges Highlight. Nachdem die WERDER Geschäftsstelle durch einen Brand 1943 komplett zerstört wurde, sind damit auch sehr viele historische Dokumente den Flammen zum Opfer gefallen. Anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums haben zwar viele Werderaner – darunter auch Werderaner aus der Gründungszeit – viele Objekte und Dokumente aus ihrem privaten Fundus zusammengetragen, aber eine Gründungsurkunde oder aber ein Protokoll ist bis zum heutigen Tag leider nicht wieder aufgetaucht.

Alle Infos zum WUSEUM wie Preise und Öffnungszeiten findet ihr auf der Website von Werder Bremen.

Fotos: © das sprengwerk

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