Aus aktuellem Anlass: der DFB-Pokal und Geschichten rund um die Lostrommel

Am Samstag steigt das diesjährige DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund. Die beiden Vereine haben das Endspiel erreicht – seit der Auslosung 2015 ist also eine ganze Zeit vergangen. Wir haben in der Vergangenheit so manche Anekdote rund um die von der ARD ausrangierte, originale Lostrommel gefunden. Sie ist Mittelpunkt der Inszenierung des DFB-Pokals im Deutschen Fußballmuseum. Nicht nur einmal gab es kleine Pannen und Skurrilitäten rund um die Ziehung der Begegnungen.

Berlin ist der Sehnsuchtsort für alle Mannschaften, die am DFB-Pokalwettbewerb teilnehmen. Fünf Siege benötigt man ab der ersten Hauptrunde, um in das Finale im Olympiastadion einzuziehen. Fünf Siege und natürlich etwas Losglück. Die Auslosung der Pokalbegegnungen ist längst zu einem Medienereignis geworden. Sie brachte schon vor Jahren den im Alltag ansonsten eher im Hintergrund agierenden DFB-Funktionären Walter Baresel und Horst Schmidt als Dauer-Zeremonienmeister respektable Berühmtheit ein. Inzwischen werden die Kugeln von prominenten Losfeen durchgemischt, die sich bei der Gelegenheit entweder Volkes Zorn einhandeln oder aber ganze Landstriche in Freudentaumel versetzen, wenn sie für den Lieblingsverein den Wunsch-Gegner ziehen. Unabhängig davon, dass der DFB-Justitiar den ordnungsgemäßen Ablauf ohnehin überwacht, bleiben bei so viel Aufmerksamkeit kleinere Pannen nicht unbemerkt.

?
Lostrommel im Deutschen Fußballmuseum

So lieferten bei der Erstrunden-Auslosung der Saison 2009/10 Moderator Claus Lufen und Ex-Nationaltorwart Andreas Köpke notorischen Verschwörungstheoretikern unfreiwillig Stoff für ihre Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Auslosung. Gesucht wurde ein Gegner für die Spielvereinigung Neckarelz. Der ARD-Mann rief laut in sein Mikrofon: „So, und nun der FC Bayern München.“  Köpke ließ sich nicht lange bitten und präsentierte den Zuschauern prompt das Traumlos für den damaligen Sechstligisten aus dem Norden Baden-Württembergs.

Um sich gar nicht erst den Verdacht der Parteilichkeit auszusetzen, vollzogen Waldemar Hartmann, Rudi Assauer und Michael Rensing einen im Nachhinein bemerkenswerten Wechsel beim Ziehen der Lose. Rensing, damals Torhütertalent bei den Amateuren des FC Bayern, zog als erstes seine Mannschaft. Moderator Hartmann gab zu bedenken, dass Rensing nun ja nicht noch den eigenen Gegner ziehen könne und bat Schalke-Manager Rudi Assauer zur Lostrommel. Dieser erwischte ausgerechnet dann die Kugel mit dem S04-Emblem.

Für die erste Runde im DFB-Pokal der Saison 1997/98 galt es wie immer, 32 Begegnungen zu ermitteln. Dass eine davon als vereinsinternes Duell 1. FC Kaiserslautern gegen 1. FC Kaiserslautern Amateure gelost wurde, zählt zu den weiteren Kuriositäten der Pokalgeschichte. Der damalige Lautern-Präsident Hubert Keßler konstatierte zufrieden, dass die Wahrscheinlichkeit für ein Weiterkommen seines Vereins sehr hoch sei. Dass die Amateure automatisch Heimrecht hatten, dürfte in dem Fall kaum ausschlaggebend gewesen sein.

Manchmal spielen neben dem Zufall auch die Kugeln der Auslosung einen Streich. In der ersten Hauptrunde werden die Gegner aus zwei verschiedenen Töpfen zugeordnet. Duelle zwischen Klubs, die nicht zur ersten oder zweiten Bundesliga gehören, werden dabei ausgeschlossen. Weltmeisterin und Glücksfee Nia Künzer schaffte 2013 dennoch das scheinbar Unmögliche.

Sie zog mit Sportfreunde Baumberg gegen RB Leipzig eine Begegnung zweier unterklassiger Vereine. Da viele Fußballfans die damals gerade in die 3. Liga aufgestiegenen Leipziger wegen ihrer Finanzkraft bereits im Profifußball wähnten, wäre diese unzulässige Konstellation beinahe nicht aufgefallen. Doch bei der Live-Übertragung der Auslosung im Rahmen der ARD-Sportschau verdunkelte sich plötzlich das Fernsehbild, weil DFB-Abteilungsleiter Markus Stenger aus dem Publikum aufsprang und unmittelbar an der Führungskamera vorbei in Richtung Lostrommel eilte. Ihm war der Fehler sogleich aufgefallen. Er unterband vorerst die Fortsetzung des Verfahrens. Was war geschehen? Der Video-Beweis klärte auf. Nia Künzer war beim Durchmischen eine der Kugeln unter ihrem Arm hinweg versehentlich aus dem einen in den anderen Topf entglitten. Leipzig wurde zurück in den richtigen Topf gelegt, die Auslosung fortgesetzt und der aufmerksame Markus Stenger vom damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach später mit dem inoffiziellen Titel „Mitarbeiter des Jahres“ bedacht.

So hat der DFB-Pokal auch abseits des Rasens schon einige denkwürdige Momente fabriziert. Die Auslosung erweitert das „David gegen Goliath“-Prinzip des Wettbewerbs dabei um eine amüsante Facette: Die Kleinen – in dem Fall die Kugeln – bringen die Großen des Fußballs zuweilen ganz schön ins Schwitzen.

FacebookTwitterGoogle+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentare und Anregungen? Immer her damit!