Willkommen im Schalke Museum

Über den Tellerrand: ein Blick ins Vereinsmuseum von Schalke 04

Zwischen dem Deutschen Fußballmuseum und den Vereinsmuseen besteht ein reger und kollegialer Austausch. So war bereits wenige Wochen nach der Eröffnung das Netzwerk Deutscher Fußballmuseen und Vereinsarchive anlässlich seiner Herbsttagung zu Gast in Dortmund. Ein Ziel des Netzwerkes ist, die Arbeit der Vereinsmuseen insgesamt sichtbarer zu machen und damit die Bedeutung der Fußballgeschichte für die deutsche Öffentlichkeit zu stärken. Auch vor diesem Hintergrund möchten wir die Archive und Museen der einzelnen Vereine in loser Reihenfolge einmal vorstellen. Den Auftakt machen wir bei den Reviernachbarn auf Schalke.

Sebastian Pantförder, Leiter Tradition des FC Schalke 04 und Sven Graner, Fanbeauftragter, haben bereitwillig aus dem Nähkästchen geplaudert.

Das Schalke-Museum ist das älteste Vereinsmuseum Deutschlands. Was war der Auslöser, das Museum zu initiieren und wann habt ihr eröffnet?
Das war damals ein Vorstandsbeschluss und wurde gemeinsam mit Gerd Voss realisiert, der damals Pressesprecher des FC Schalke 04 war und mit viel historischem Gespür an die Sache herangegangen ist. Es war einfach an der Zeit, der Geschichte unseres Vereins einen würdigen Platz zu geben und mit der systematischen Archivierung der Vereinsgeschichte zu beginnen. Außerdem stand das 100-jährige Vereinsjubiläum vor der Tür. Und natürlich haben wir auch die Wünsche aus dem Fanlager gehört.

Ganz am Anfang – 2001 – war das Museum noch im Merchandising-Lager untergebracht. Seit 2005 haben wir unseren Platz in der Arena. Auf 600 m² gibt es hier unzählige Schmuckstücke zu entdecken, die Schalker Fan-Herzen höherschlagen lassen.

Woher kommen all Ausstellungsstücke? Ist es schwierig, die Exponate zu besorgen?
Am Anfang unserer Suche haben wir zum Beispiel Aufrufe über unsere Vereinszeitschrift, den Schalker Kreisel und unsere Homepage geschaltet. Mittlerweile melden sich die Fans oft selbst bei uns. Die haben viele Fanartikel, Eintrittskarten und ähnliches Zuhause liegen. Wir prüfen das dann und entscheiden, ob und wie wir diese Dinge für unsere Ausstellung verwenden oder ob wir damit unser Archiv vervollständigen können. Das Finaltrikot von Olaf Thon aus dem UEFA-Cup-Final-Hinspiel 1997 kam beispielsweise von einem Fan, der damals im Stadion war.

Bei den historischen Sachen aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ist es teils wirklich schwierig. Früher waren die Sammelleidenschaft und auch das Bewusstsein für den historischen Wert der Dinge einfach nicht so ausgeprägt. Niemand hat irgendetwas aufgehoben, weil er dachte: „Das wird für die Schalker Geschichte vielleicht noch mal interessant.“

Hat sich das Bewusstsein dafür geändert?
Heute greifen ganz andere Automatismen. Wenn ein Spieler einen Hattrick schießt, dann sichern wir das Trikot nach dem Spiel sofort. Auch die Fans heben viel mehr auf. Da muss man fast schon aussortieren, denn wir können in unserem Archiv und Museum eben nicht alles aufbewahren.

Und wir können heute auch den direkten Weg über die Spieler gehen, über persönliche Kontakte. Von Klaus Fischer haben wir zum Beispiel einige persönliche Dinge aus seiner aktiven Zeit bekommen, z. B. sein Trikot, das er in dem Spiel trug, als er sich das Bein brach. Schwieriger ist es bei Jörg Böhme oder Mike Büskens – die wollen einfach nichts abgeben… (lachen)

Welche Angebote gibt es für den Besucher in eurem Museum?
Wir zeigen anhand von zahlreichen Vitrinen mit Exponaten, Filmen und den Tondokumenten im Hörraum die wechselvolle Schalker Geschichte auf: die Entwicklung von der Geburtsstunde des Schalker Kreisels bis zum Einzug in die Champions League. Mit Ausstellungsstücken wie Medaillen, Plakaten, Wimpeln, Ehrennadeln und mehr. Ein besonderes Highlight ist das Wohnzimmer, eingerichtet im Gelsenkirchener Barock. Oder die Fußabdrücke der Eurofighter von 1997. Und, und, und…

Welches ist persönlich euer liebstes Ausstellungsstück?
Oh je, das ist schwierig zu beantworten. Aber besonders eindrucksvoll ist der 34 Zentimeter lange Nagel aus Klaus Fischers Schienbein.

Was kann man bei euch sonst noch erleben?
Abgesehen von dem reinen Museumsbesuch haben wir verschiedene Arena-Touren im Programm, die alle das Museum als Start- und Endpunkt haben. Das Familienpaket ist z.B. eine reine Stadiontour mit einem Blick hinter die Kulissen. Bei der Legenden-Tour am Spieltag treffen die Teilnehmer Schalker Größen wie Martin Max, Olaf Thon oder Gerald Asamoah. Bei der Bustour geht es auf eine Zeitreise durch den Stadtteil. Hier sind wir auf Schalker Spurensuche und lassen uns ein Bergmannfrühstück schmecken. Außerdem bieten wir Nachtführungen an.

Gibt es den typischen Museumsbesucher bei euch?
Nein, nicht unbedingt. Das Publikum ist ganz gemischt. Wir haben Dauergäste, die drei- oder viermal im Jahr kommen. Toll ist, dass viele Gelsenkirchener dabei sind, die mit ihrem Besuch aus ganz Deutschland ins Museum kommen. Hier zeigen wir ihnen ein Stück Heimat.
Natürlich kommt auch mal der Opa gemeinsam mit seinem Enkel. Wir haben aber noch zu wenige Angebote für Kinder. Das wollen wir in Zukunft verbessern.

Habt ihr viele Besucher aus dem Ausland?
Eines können wir auf jeden Fall sagen: Seit Atsuto Uchida bei uns spielt, kommen sehr viele japanischen Gäste. Vor allem Frauen! (lachen)

Was ist die häufigste Frage, die euch von Besuchern gestellt wird?
Viele fragen uns nach den alten Pokalen, die sie hier sehen: den Tschammerpokal und die Viktoria. Einfach deshalb, weil viele diese Pokale gar nicht mehr kennen und wissen wollen, was es damit auf sich hat.

Es fällt auf, dass die Rivalität mit dem schwarz-gelben Reviernachbarn bei euch im Museum gar nicht groß behandelt wird.
Stimmt, bisher haben wir das Derby nicht in den Fokus gerückt. Wir denken aber darüber nach, das ganze Thema etwas zuzuspitzen. Es ist nun mal für alle Schalker das Spiel der Spiele. In der Woche vor dem Duell herrscht hier auf der Geschäftsstelle dann auch immer eine ganz besondere Anspannung. Und es ist wirklich so: Ein Derby-Sieg kann über eine ansonsten eher mäßige Saison sehr gut hinwegtrösten.

Jeder hat doch seine eigenen Derbymomente. Keine Frage, am liebsten erinnert man sich an die großen Triumphe über den Nachbarn. Mir fällt zum Beispiel das 5:2 nach dem Wiederaufstieg im Jahr 1991 ein – Abwehr-Ikone Dietmar Schacht hat damals das letzte Spiel seiner Karriere bestritten. Schöner kann man ja gar nicht abtreten (lachen). Oder der erste Sieg im Westfalenstadion nach unendlich langer Zeit 1992 mit 2:0 – einfach ein schöner Tag wie auch das 0:4 am gleichen Ort in der Saison 00/01. Ach, da gibt’s so einige tolle Momente…

Gibt es bei euch im Hause Sonderausstellungen?
Zuletzt hatten wir die Sonderausstellung „110 Jahre Ernst Kuzorra“. Als nächstes zeigen wir „Schalke in alten Bildern“. Für diese Ausstellung arbeiten wir mit dem Stadtarchiv zusammen, zeigen alte Fotografien und Postkarten. Viel Material kommt dazu von Sammlern aus Gelsenkirchen-Buer und aus Gelsenkirchen-Schalke.

Habt ihr besondere Veranstaltungen wie Lesungen oder Talks im Programm?
Ja, wir veranstalten regelmäßig Themenabende. Ein aktuelles Beispiel: Aus Anlass des 60. Geburtstags vom „Flankengott“ haben wir in diesem Monat den Abend „60 Jahre Rüdiger Abramczik“ im Programm.

Bringen sich zu solchen Gelegenheiten die S04-Legenden gerne ein?
Wir haben eine starke Ehemaligenarbeit. Die Kremers-Zwillinge, Klaus Fischer, Rüdiger Abramzcik, Mathias Schipper, Olaf Thon, Mike Büskens & Co bringen sich sehr gerne ein, wenn es um die Schalker Traditionspflege geht. Außerdem veranstalten wir einmal im Jahr ein Ehemaligentreffen. Schalker Spieler aus allen Epochen gucken gemeinsam ein Heimspiel des aktuellen Teams und verbringen einen geselligen Abend miteinander. Das ist die Schalker Familie.

Zu guter Letzt: Auf der „Jagd“ nach welchem Exponat für das Museum seid ihr noch?
Da gibt es noch so einige Dinge. Jörg Böhmes Schuh aus dem DFB-Pokalfinalspielen 00/01 oder 01/02 (gegen Bayer Leverkusen aus der Saison 2001/02)… Das wär’s! Oder die ganz alten Sachen: Ein Meistertrikot aus den 1930-er Jahren.

Wir drücken die Daumen für die Suche. Vielen Dank für das Gespräch!

Preise und Öffnungszeiten des Schalke-Museums findet ihr auf tradition.schalke04.de.

Übrigens: Bei der Zusammenstellung unserer Dauerausstellung im Deutschen Fußballmuseum haben uns die verschiedenen Vereinsmuseen und -archive tatkräftig unterstützt. Von Schalke 04 zeigen wir unter anderem zwei Medaillen (Repliken) des Westdeutschen Spielverbandes zur Meisterschaft im Jahre 1932, Medaillen zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Jahre 1934 sowie Medaillen anlässlich des Sieges im Endspiel um den Tschammerpokal am 9. Januar 1938.

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