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matchworn: Über den Reiz von verschwitzten Fußballtrikots

Das Deutsche Fußballmuseum ist der Ort, an dem ihr 140 Jahre deutsche Fußballgeschichte erleben könnt. In unserer Ausstellung taucht ihr in die Welt der Nationalmannschaft, der Bundesliga und des DFB-Pokals ein: Fußball in allen Facetten. Welcher Bereich interessiert euch am meisten? Welcher Leidenschaft geht ihr nach? Marcel aus Bottrop ist auf der Jagd nach verschwitzten Fußballtrikots.

Trikots sind heiß begehrt – nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern untereinander. Regelmäßig lassen sich im Profifußball nach Schlusspfiff Szenen beobachten, wie Sportler ihre Oberteile tauschen. Als Andenken, als respektvolle und freundschaftliche Geste vor den Zuschauern und den Medien. Die Vereine sehen diese Praxis nicht so gerne, weil es sich bei den Trikots um ihr Eigentum handelt. Und noch einer würde gern dazwischenfunken, weil er die Kleidung am liebsten selbst besäße: Marcel. Warum? Der 25-jährige hat es uns erzählt.

Marcel, seit knapp einem Jahr sammelst du „matchworn“-Trikots. Was bedeutet das genau? 

Es gibt eine große Modellbreite bei Fußballtrikots, zum Beispiel die normalen Fantrikots, die meist aus einem anderen Material hergestellt sind als die Spielertrikots. „Matchworn“ sind die Kleidungsstücke, die von einem Sportler im Spiel getragen wurden. Schuhe gehören natürlich auch dazu. Mich interessieren aber nur die Trikots.

Deine Leidenschaft begann bei einem Spiel von Rot-Weiß Oberhausen. Erzähl uns, was genau passiert ist.

Das war im Mai 2015. Nach dem Apfiff traf ich meinen Lieblingsspieler Ralf Schneider. Ich habe ihn einfach angesprochen: „Bevor du den Verein wechselst, bekomme ich dein Trikot“. Und er darauf: „Ja okay, kein Problem!“ So hat die Sammelei angefangen. Zwischendurch bekam ich noch ein Trikot von Mike Terranova und Benjamin Reichert, ebenfalls aus ihrer Zeit bei RWO. Seitdem besuche ich fast jede Woche ein Spiel und versuche, Trikots zu bekommen. Und zwar von ganz verschiedenen Vereinen, so dass die Sammlung schnell wächst.

Hast du denn einen Lieblingsverein? Besitzt du von einem Verein besonders viele Trikots?

Ja, mein Herz schlägt für RWO. Beim Sammeln gehe ich so vor: Mich interessieren die Trikots von der 1. Bundesliga bis hin zu den Regionalligen. Ich versuche, von jeder Mannschaft mindestens eins zu bekommen. Wenn ich das geschafft habe, vielleicht auch ein zweites. Jeweils ein Heim- und ein Auswärtstrikot wären langfristig gesehen schon cool.

Gibt es eine „matchworn“-Szene? Menschen, die genau wie du intensiv nach diesen speziellen Trikots suchen?

Ja, die gibt es. Die bekanntesten und erfolgreichsten deutschen matchworn-Sammler sind Ulrich und Yannik Olschewski. Bei Facebook bin ich auf eine Gruppe gestoßen, die meine Leidenschaft teilte. Daraufhin habe ich beschlossen, selbst eine Facebook-Gruppe namens „Matchworn Trikotsammler“ zu eröffnen. Momentan hat diese Gruppe 1.500 Mitglieder, die dort Trikots tauschen, suchen, kaufen, verkaufen… Mittlerweile kenne ich in Deutschland viele mit den gleichen Interessen; aus losen Bekanntschaften sind schon Freundschaften geworden. Das freut mich natürlich.

Du reist sehr viel für dein Hobby, oder? Wie oft und wo trifft man dich im Stadion?

(lacht) Ja, das stimmt. Ich versuche, jedes Wochenende mindestens ein oder zwei Spiele zu besuchen. In erster Linie sind das Spiele der vier höchsten Ligen. Die Karten kaufe ich immer direkt am Stadion. Dann findet man mich entweder im Gästeblock oder auf anderen Sitztribünen.

Hast du denn im Vorfeld schon ein bestimmtes Trikot im Auge, das du nach dem Spiel gerne haben willst?

Nein. Ich entscheide ganz spontan, wen ich anspreche. Ich kann leider nicht vorher planen, an welchen Spieler ich nah genug herankomme. Wenn ich ein Trikot von einem ganz bestimmten Profi haben möchte, kommt es auch vor, dass ich vorher zum Training der Mannschaft fahre und versuche, denjenigen am Trainingsplatz anzusprechen.

Mit einigen Spielern habe ich auch schon guten Kontakt aufgebaut, zum Beispiel mit Lucas Hufnagel vom SC Freiburg, Dominik Widemann vom 1. FC Heidenheim und Markus Smarzoch vom SV Rödinghausen. Mein letztes Trikot habe ich von Maurice Multhaup bekommen, der beim FC Ingolstadt spielt. Das ist auch ein Bottroper Jung, der mich und meine Sammlung unterstützt.

Wie viele Trikots hast du bereits in deiner Sammlung?

Ich bin ja noch nicht so lang dabei. Aber immerhin konnte ich in dieser kurzen Zeit schon 35 matchworn-Trikots sammeln. Ich habe alle Trikots von den Spielern persönlich bekommen und präsentiere sie auf meiner Facebook-Seite „Matchworn Sammlerwelt“. Sobald ich etwas neues bekomme, stelle ich es sofort online.

Welches Trikot ist bisher dein größter „Schatz“? Gibt es ein Spielertrikot, das du unbedingt haben möchtest?

Jedes Trikot hat für mich den gleichen Stellenwert, keines ist wertvoller als das andere. Allerdings: Ein absoluter Traum wäre ein matchworn-Trikot von Real Madrid oder vom FC Barcelona. Da bin ich vermutlich nicht der einzige Sammler, dem es so geht (lacht).

Wie bewahrst du die Trikots auf?

Die Trikots bleiben bei mir tatsächlich ungewaschen. Ich finde, der Schweißgeruch und die „Kampfspuren“ aus dem Spiel dürfen nicht verloren gehen… Aber ich lüfte sie jeden Tag.

Du sagst, dass ein matchworn-Trikot von Barca oder Real dein Traum wäre – bist du denn auch in anderen Ligen und Ländern unterwegs?

Nein, ich bin momentan nur in Deutschland unterwegs und das werde ich auch erst mal so beibehalten.

Was hast du mit deinen Trikots vor? Matchworn-Trikots können hohe Preise bei Versteigerungen erzielen…

Das stimmt. Es gibt immer Leute, die damit nur Geld verdienen wollen. Ich bin da eher idealistisch veranlagt: Ich bin Sammler aus Leidenschaft und behalte alle meine Trikots. Jedes einzelne ist mir wichtig. Übrigens würde ich mir selbst auch nie ein matchworn-Trikot kaufen, weil mir dann einfach die Verbindung dazu fehlen würde.

Du bist noch nicht mal ein Jahr in der Sammlerszene aktiv. Weißt du schon, wie es weitergehen soll?

Mein Ziel ist es, ein bekannter Trikotsammler zu werden. Mir macht das Ganze so viel Spaß, dass ich glaube: Mit dem Sammeln werde ich nie aufhören, egal, wie viele Trikots ich haben werde. Dann muss ich nur anbauen.

Trikots, die nicht matchworn sind, interessieren dich gar nicht?

Nein, ich bin ein reiner matchworn-Trikotsammler. Die normalen Fan-Trikots kann sich ja jeder kaufen – getragene Trikots mit Geschichte, um die man sich bemühen muss, haben einfach einen anderen Reiz für mich.

Marcel, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin beim Sammeln!

Seid ihr auch auf der Jagd nach bestimmten Trikots, Fanartikeln oder ähnlichem? Habt ihr wie BVB-Fan Michael eure persönliche Schatzkammer zuhause? Für welchen Verein würdet ihr alles geben? Meldet euch bei uns – wir sind gespannt auf eure Geschichten!

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