Urs Meier im Schiedsrichter-Bereich des Fußballmuseums

Im Fußballmuseum mit… Urs Meier

Was macht Urs Meier im Deutschen Fußballmuseum? Diese Frage haben sich sicherlich einige Gäste gestellt, als sie den ehemaligen Schweizer Spitzen-Referee vor ein paar Tagen in Dortmund erkannten. Wir verraten es: Er hat unsere Ausstellung um ein weiteres Exponat bereichert und es persönlich vorbeigebracht. Denn da war doch etwas…

Genau: Urs Meier war es, der ganz Deutschland in die kollektive Schockstarre versetzte, als er Michael Ballack im WM-Halbfinale 2002 Deutschland gegen Südkorea in Seoul die Gelbe Karte zeigte – mit der Konsequenz, dass Ballack im Finale gegen Brasilien gesperrt fehlte.

Wir erinnern uns: Michael Ballack, damals 25-jähriger Leistungsträger in der DFB-Elf, stoppte einen erfolgversprechenden Angriff des Gegners mit einem Foul. Schiedsrichter Urs Meier zeigte ihm dafür Gelb. Nur wenige Minuten nach der Verwarnung erzielte ausgerechnet Ballack das entscheidende 1:0 gegen die Südkoreaner. Das war gleichzeitig der Endstand. Damit war der Finaleinzug perfekt, Ballack selber aber für das Endspiel gesperrt. Denn er war bereits mit Gelb vorbelastet ins Halbfinale gegangen.

Ohne Ballack unterlag Deutschland im Finale den Brasilianern 0:2. Die DFB-Elf wurde Vizeweltmeister. Michael Ballack wurde ins „All-Star-Team“ gewählt. Aber war das ein adäquater Trost für das geplatzte WM-Finale sowie drei zweite Plätze mit seinem damaligen Verein Bayer 04 Leverkusen? Wohl kaum…  Die Werkself hatte 2001/2002 in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League jeweils um den Titel gespielt. Am Ende reichte es in allen Wettbewerben jeweils nur für den zweiten Platz. Die verpasste Weltmeisterschaft bildete dabei für Ballack den bitteren Höhepunkt.

Eine Causa Ballack gäbe es heute nicht mehr: Seit der WM 2010 greift die Regelung, dass nach dem Viertelfinale die Gelben Karten gelöscht werden. Es ist also nicht mehr möglich, aufgrund einer zweiten Gelben Karte im Halbfinale für das Finale gesperrt zu werden. Kein Trost für Ballack, denn die WM 2010 verpasste er verletzungsbedingt. Zuvor kam 2006 das sportliche Aus im Halbfinale.

Zurück zum Schweizer Ex-Schiedsrichter: Eben diese Gelbe Karte, die er 2002 folgenschwer  gegen Michael Ballack zog, hat Urs jetzt als Exponat zur Verfügung gestellt. Sie wird im Deutschen Fußballmuseum im Ausstellungsbereich „Goldene Generation“ zu sehen sein. Sie ist Sinnbild für den steinigen Weg, den der deutsche Fußball seit dem peinlichen Auftritt bei der EM 2000 beschritten hat.

Urs, jetzt sag doch mal: Wie war das damals, als du Michael Ballack die Gelbe Karte gezeigt hast? „Ich wusste, dass er vorbelastet war. Vorher muss man sich immer informieren, wer schon eine Gelbe Karte hat. Man versucht dann, Fingerspitzengefühl zu zeigen und ermahnt die Spieler entsprechend. Aber bei Ballack hatte ich keine Chance: Ich musste die Karte geben. Das war ein klares taktisches Foul. Und Ballack selbst hat sich auch nicht beschwert.“

Wo Urs schon mal im Ruhrgebiet war, hat er die Gelegenheit genutzt und einen Rundgang durch die Dauerausstellung gemacht. Wir haben den 57-jährigen dabei begleitet. Schon am Anfang zeigt er sich begeistert vom WM-Ball 1954. „Man kann sich heutzutage wirklich kaum noch vorstellen, dass die Spieler damit Kopfbälle gemacht haben.“ Stimmt – wenn man bedenkt, wie sich das Material seitdem verändert hat und wie schwer die Fußbälle damals waren.

Gleich neben dem Final-Ball sind die Holz-Rückenlehnen der Bänke aus dem Berner Wankdorfstadion zu sehen. Urs schmunzelt: „Als ich 1996 ein Finale in Bern gepfiffen habe, waren dort immer noch solche Holzbänke. Und bei Regen war der Hintern der Zuschauer auch vor zwanzig Jahren noch pitschnass.“ Mittlerweile ist das Wankdorf-Stadion mitsamt seiner Holzbänke aber Geschichte 😉 .

Der Rundgang geht weiter. Urs erzählt einige Anekdoten, versucht sich am Schiedsrichter-Quiz (das Ergebnis verraten wir nicht 😀 ) und schwelgt in Erinnerungen. Am Ende zieht er begeistert Fazit: „Es ist eine wunderschöne Ausstellung“, so der ehemalige Spitzen-Referee. Vielen Dank für den netten Besuch und natürlich das Exponat!

Wer die Gelbe Karte aus 2002 und rund 1.600 weitere Exponate aus 140 Jahren deutscher Fußballgeschichte unter die Lupe nehmen möchte: Tickets für das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund gibt es online im Ticketshop oder an der Tageskasse.

Zur Person Urs Meier

Urs Meier ist immer noch einer der bekanntesten Fußballakteure der Schweiz. Als er 2004 offiziell seine Schiedsrichterkarriere beendete, hatte er in 27 Jahren 883 Spiele geleitet. Seit 1994 war er FIFA-Referee und hatte zahlreiche Einsätze auf internationaler Ebene. Fünf Jahre in Folge leitete er ein Halbfinale der Champions League. 1998 und 2002 war Urs bei der WM im Einsatz. Den deutschen Fans wurde er später als TV-Experte für das ZDF während des Sommermärchens 2006 bekannt. Damals bildete er mit Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp ein Experten-Gespann.

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