Das Wunder von Bern im Fußballmuseum

Der Schuhmacher des WM-Erfolgs

Es ist der 4. Juli 1954. Im WM-Finale in Bern warten die spielerisch überlegenen Ungarn auf die deutsche Nationalmannschaft. Doch Herbergers Elf spielt mit einem Schuh, der im Dauerregen zwei entscheidende Vorteile bietet und von Adolf „Adi“ Dassler entwickelt wurde, der heute vor 115 Jahren am 03. November 1900 in Herzogenaurach das Licht der Welt erblickte.

Adolf Dassler, Schumacher und mit seinem Unternehmen adidas offizieller DFB-Ausrüster, hatte in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Bundestrainer Sepp Herberger einen Fußballschuh mit auswechselbaren Stollen entwickelt. In ihrer schriftlichen Korrespondenz pflegten sie einen intensiven Austausch über technische Neuentwicklungen der Ausrüstung. Das Ergebnis: Dassler konnte der deutschen Mannschaft je nach Wetterverhältnis die richtigen Stollen unter die Schuhe schrauben. Das sollte sich im entscheidenden Moment auszahlen. Werfen wir einen Blick zurück:

Im Wankdorf-Stadion über Bern regnet es. Fritz-Walter-Wetter. Bei solchen Bedingungen soll der Kapitän ja besonders gut spielen. Und ja, der Platz ist nass und rutschig. Die Ungarn gehen zwar mit 2:0 in Führung, doch noch vor der Halbzeit können die Deutschen zum 2:2 ausgleichen. In der Pause schraubt Turnier-Zeugwart Adolf Dassler die passenden Stollen für Regen auf… Der Rest ist Geschichte. In der 84. Minute fällt der Siegtreffer für die deutsche Nationalmannschaft durch Helmut Rahn.

Allerdings: Es waren nicht nur die Schraubstollen, die den WM-Schuh auszeichneten. Für die damalige Zeit außergewöhnlich war auch sein vergleichsweise geringes Gewicht. Während die anderen Mannschaften Fußballschuhe trugen, die wir heute eher als „Arbeitsstiefel“ bezeichnen würden, hatte die Nationalelf Schuhe mit einer weicheren Vorderkappe und einem niedrigeren Schaftschnitt.

Denn wie war das noch gleich mit dem Fritz-Walter-Wetter? Eben, im Dauerregen legten die Schuhe der Ungarn deutlich mehr an Gewicht zu als das Material von Herbergers Elf. Mit den hohen Stollen hatten sie auf dem vom Regen aufgeweichten Platz besseren Halt als die Ungarn.

Das „Wunder von Bern“ ist also eng mit dem Namen Adolf Dassler verknüpft. Schon kurz nach dem WM-Triumph spielt die halbe Fußball-Welt mit den neuen Schuhen.

Und bei uns im Museum? Mit einer emotionalen Inszenierung des ersten WM-Gewinns der deutschen Nationalmannschaft beginnt der Rundgang durch die Ausstellung. Im Zentrum leuchtet der Original-Endspielball von 1954. Die legendäre WM-Elf begrüßt die Besucher. Die deutsche Nationalhymne ertönt; eine Reise in die Vergangenheit beginnt, eine Hommage an das Wunder von Bern. Jetzt wissen wir: Auch die Schuhe hatten ihren Anteil daran.

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