Test-Montage - wie werden die einzelnen Fans zur Menge?

Kann denn eine Rolltreppe Kunstwerk sein? Im Fußballmuseum schon!

Ein Wimmelbild? Im Fußballmuseum? Aber klar! Bei uns sind nicht nur die Exponate echte Highlights, sondern auch das Museum an sich. Von außen und von innen. Heute stellen wir euch ein ganz besonderes Juwel vor: das riesengroße Wimmelbild der Grafikerin und Illustratorin Diana Köhne. Und darauf gibt es für alle Besucher des Fußballmuseums so einiges zu entdecken: nämlich Fans, soweit das Auge reicht.

Und zwar Fans aus allen Teilen der Republik. Klar war: Es sollte eine Reise quer durch Deutschland geben. Los geht es im Süden, wo man z.B. Anhänger des FC Bayern, von 1860 München und von Augsburg trifft. So geht es einmal quer durchs Land – ja, liebe Ruhrgebietler, auch Ihr seid natürlich dabei! – ebenso wie der ganze Fußball-Westen, -Norden und -Osten. Auf den letzten Metern sehen die Besucher eine Horde Deutschland-Fans. Alle Vereine, die jemals in der 1. Liga gespielt haben, sind in irgendeiner Form abgebildet.

Wie kam es dazu? Die Hammer Grafikerin Diana Köhne wurde vor gut einem Jahr von der Geschäftsleitung des Museums beauftragt, ein Wimmelbild zu malen. „Mache ich!“, war die erste Reaktion. Aber ein Wimmelbild? Wofür überhaupt? Antwort: für die Rolltreppe.

Die Rolltreppe, die die Besucher vom Erdgeschoss und Eingangsbereich des Museums in den zweiten Stock bringt. Dort beginnt dann die eigentliche Ausstellung. Spätestens dann war klar, dass das – im wahrsten Sinne des Wortes – ein Riesenprojekt wird. Denn die Bilder sind je 2,80 Meter hoch. Eins ist circa 30 Meter lang, das andere rund 25 Meter.

Das Motto für die Rolltreppenfahrt, das die Agentur TRIAD Berlin vorgegeben hatte, lautete: „Ins Stadion pilgern“. Und der übergreifende Slogan des Fußballmuseums: „Wir sind Fußball“. Diana Köhne entwickelte dann ihre eigenen Ideen. Herausgekommen ist ein großes Gewusel, ein großer Strom – eben so, wie es an jedem Spieltag ist, wenn die Fans sich auf den Weg in „ihr“ Stadion machen.

 

Zunächst ersann sie mittels Deutschlandkarten einen groben Plan, wie sich die Vereine links und rechts an der Rolltreppe verteilen sollten. Die ursprünglichen Zeichnungen fertigte sie mit Bleistift und Fineliner an – ganz klassisch auf Papier. Sie zeichnete alle Fans einzeln, um sie später flexibel anordnen und verschieben zu können. Mit kleinen Test-Montagen versuchte Diana dann herauszufinden, wie sie die einzelnen Fans zu einer Menge verbinden kann. Die Architekten-Zeichnungen sind im Maßstab 1 zu 10.

Dann wurde fleißig gescannt, am PC coloriert und aufgearbeitet. So ließen sich alle Zeichnungen ohne Qualitätsverlust vergrößern. In der ganzen Zeit sind über 8 Kilogramm Skizzenblock-Papier zusammengekommen. Am spannendsten war zwischendurch immer mal wieder, wenn große Testdrucke geliefert wurden. So würde dann also alles später aussehen!

Jetzt ist das Mammut-Projekt fertig – und wir meinen: Die akribische Arbeit hat sich gelohnt! Für die Anbringung im Fußballmuseum bekommt das Wimmelbild natürlich einen extra Schutz: Es wird auf Platten gedruckt und mit einer speziellen Schicht überzogen. Diana ist selbst schon ganz gespannt darauf, wie das Bild „live“ wirken wird. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.

Diana, was war die größte Herausforderung an diesem Projekt?

Da es sich bei der Rolltreppe ja sozusagen um einen „diagonalen“ Horizont handelt, war die größte Herausforderung die daraus resultierende diagonale „Staffelung“ der Fans, die es ja so in der Realität nicht gibt. Außer vielleicht auf dem Weg zum Betzenberg… (lacht) Und: Es gibt einfach keinen festen Bezugspunkt, von dem aus sich die ganze Zeichnung am optimalsten betrachten lässt, denn man fährt ja daran vorbei.

Wie lief ein typischer Arbeitstag ab?

Tagsüber habe ich gezeichnet. Alle fertig gezeichneten Fans habe ich dann gescannt, vektorisiert und digital koloriert. Das habe ich meistens nachts gemacht und die „Fleißarbeit“ so auf später verschoben. Man kann sagen, dass das Projekt mich völlig vereinnahmt hat.

Wie lang hast du ingesamt an dem Projekt gesessen?

Im Herbst 2014 habe ich angefangen. Im Dezember 2014 und Januar 2015 habe ich ausschließlich für das Fußballmuseum gearbeitet. Danach war der diagonale Teil der linken Wand zu einem großen Teil fertig. Von Februar bis Mai sind dann die rechte Wand, der Anfang unten am Beginn der Treppe und das Ende oben entstanden. Aber ganz zu Beginn standen natürlich Rechercheaufgaben an.

Wie darf ich mir das vorstellen? Hast du dir Fanbilder herausgesucht?

Genau, das war eine richtige Recherchearbeit. Ich habe mir online Fotos herausgesucht, habe Fangruppen fotografiert, Freunde befragt… Ich bin gar nicht mehr „normal“ ins Stadion gegangen, sondern habe immer ganz genau hingeschaut, was die Fans anziehen (lacht).

Gab es Motive, die dir schwergefallen sind?

Naja… wäre es nach mir gegangen, hätte ich alle Fans zu Borussen gemacht. Und ich durfte Schalker und Bayern nicht zu unsympathisch aussehen lassen (lacht).

Soviel Arbeit steckt also in knapp 30 Metern Rolltreppe. Insgesamt seht ihr auf dem Weg ins Museum ca. 1200 Fans – auch prominente. Campino für Fortuna Düsseldorf, Dietmar Bär für den BVB… Dazu kommen wichtige Details wie Stadien, Bäume, Gebäude, Kioske. Am besten macht ihr euch ab dem 25. Oktober selbst ein Bild – wenn das Fußballmuseum in Dortmund seine Pforten öffnet.

Und wenn die bunte Rolltreppenfahrt vorbei ist, seid ihr in der Dauerausstellung angekommen – und werdet von der Inszenierung der WM 1954 – „Das Wunder von Bern“ begrüßt.

Wir bedanken uns bei Diana für die Bereitstellung des Fotomaterials aus ihrem „Schaffensprozess“ 🙂 . Und psssssst: Morgen wird das Wimmelbild ins Museum eingebracht. Wir sind schon sehr gespannt darauf, wie es an dem vorgesehenen Platz aussehen wird. Ganz klar: Auch eine Rolltreppe kann Kunstwerk sein – zumindest im Fußballmuseum!

Diana Köhnes Website

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