Fußball in der DDR

Vor 35 Jahren: Verhaftung von drei DDR-Nationalspielern

Die Ausstellung im Deutschen Fußballmuseum ist vielfältig und greift alle möglichen Aspekte des Sports auf. Dazu gehört, dass wir auch den DDR-Fußball intensiv beleuchten. Gerade erst haben wir uns in einer Sonderausstellung mit dem Thema „25 Jahre deutsche Fußballeinheit“ beschäftigt. Diesmal erklärt Kurator Dr. Martin Wörner, was es mit der Verhaftung von drei DDR-Nationalspielern vor 35 Jahren auf sich hat:

Der Start einer Südamerika-Tournee der DDR-Nationalmannschaft gegen argentinische Vereinsmannschaften wurde 1981 durch die Verhaftung dreier Leistungsträger überschattet: Unmittelbar vor dem geplanten Abflug am 24. Januar setzte man drei Spieler der SG Dynamo Dresden am Flughafen Berlin-Schönefeld fest.

Der Informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit (IM) „Klaus Ihle“ hatte eine „Vorbereitung des ungesetzlichen Verlassens der DDR“ gemeldet und vorgeschlagen, „die Leistungssportler KOTTE, MÜLLER und WEBER aus der Delegation des Fußballverbandes der DDR herauszulösen,“ wie es in einem Dokument der Stasi-Behörde nachzulesen ist.

Gerd Weber, 35-facher Nationalspieler, dreimaliger DDR-Meister und Olympiasieger 1976, hatte wenige Monate zuvor bei einem Europapokalspiel der SG Dynamo Dresden gegen Twente Enschede in den Niederlanden Kontakte zum 1. FC Köln geknüpft und bereitete seine Flucht in den Westen vor. Wegen landesverräterischer Agententätigkeit und versuchter „Republikflucht“ wurde Weber, 1975 bis 1982 selbst IM-Mitarbeiter, zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt und saß elf Monate im Gefängnis.

Seine beiden Mannschaftskollegen Peter Kotte und Matthias Müller wurden nach einwöchiger Untersuchungshaft wegen „Mitwisserschaft“ der Fluchtplanungen Webers ebenfalls aus der SG Dynamo Dresden ausgeschlossen und lebenslang für die erste und zweite DDR-Liga gesperrt. Mehrere Gnadengesuche der beiden Spieler wurden abgelehnt. Nach dem Aufstieg mit dem Drittligisten Fortschritt Neustadt wurde Kotte die Spielgenehmigung für die zweite Liga verweigert, sein Kopf auf dem Mannschaftsfoto des Liganeulings im „Sportecho“ wegretuschiert. O-Ton des dreimaligen DDR-Meisters: „Eine Welt brach für mich zusammen, weil ich mit Leib und Seele Fußballer war.“

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